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Richtig abgesichert - Versicherung bei Eigenleistung

Eigenleistungen sind für Bauherren ein probates Mittel, um bei den Baukosten zu sparen. Die eigene Arbeitsleistung tritt hier an die Stelle der Arbeit von Bauhandwerkern und -unternehmen. Was vielfach nicht bewusst ist, Eigenleistungen sind mit Gefahren verbunden. Diese können gravierende Folgen haben. Neben einem guten Arbeitsschutz kommt es daher auf ausreichenden Versicherungsschutz an. Um die Versicherung bei Eigenleistungen soll es im Folgenden gehen.

Eigenleistungen beim Bau

In welchem Umfang Eigenleistungen zum Einsatz kommen, hängt wesentlich von der jeweiligen Ausbaustufe ab. Am größten ist der Eigenanteil beim Bausatz- oder Selbstbauhaus. Hier werden nur die Bauteile bzw. Baumaterialien zur Baustelle geliefert, für Auf- und Ausbau sind Sie als Bauherr selbst verantwortlich. Oft soll das in Eigenleistung geschehen.

Beim Ausbauhaus fällt nur der Innenausbau in die Zuständigkeit der Bauherrn. Aber selbst beim "schlüsselfertigen" Haus können Eigenleistungen gefragt sein. Dabei geht es meist um Finisharbeiten bis zur endgültigen Bezugsfertigkeit - zum Beispiel Maler- und Tapezierarbeiten, Boden- oder Fliesenverlegung.

Die Rechtslage bei Eigenleistungen

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Als Bauherr sind Sie grundsätzlich gegenüber Dritten in der Haftung, wenn durch Gefahren auf Ihrer Baustelle Schäden verursacht werden. Andererseits haben Sie Haftungsansprüche gegenüber beauftragten Baufirmen und -handwerkern bei deren Fehlern, Mängeln und Pflichtverletzungen. Erbringen Sie Eigenleistungen am Bau, kann das Haftungsgefüge noch komplexer werden. Zum Beispiel dann, wenn Ihre Eigenleistung Voraussetzung für Folgeleistungen von Firmen ist.

Wenn Sie selbst schlampig arbeiten und nachfolgende Arbeiten dadurch ungenügend ausfallen oder verzögert werden, wer haftet dann gegenüber wem? Das kann im Einzelfall schwer zu beantworten sein. Oft werden solche Streitfragen vor Gericht ausgetragen. Als Bauherr sollten Sie sich bewusst sein, dass Eigenleistungen mit einem erhöhten Haftungsrisiko einhergehen - insbesondere wenn es sich um mehr als Endarbeiten handelt.

Bauhelfer - ein eigenes Thema

Typisch bei Eigenleistungen ist der Einsatz von Bauhelfern - oft sind das Freunde oder Verwandte, manchmal auch Nachbarn, Handwerker aus dem Bekanntenkreis, Kollegen usw.. So nützlich solche Freundschaftsdienste sind, sie werfen auch rechtliche Fragen auf - nicht nur hinsichtlich der Versicherung.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Gefälligkeitsleistungen und echter Bauhilfe. Eine genaue gesetzliche Abgrenzung gibt es nicht. Eine Gefälligkeit wird in der Regel einmalig, kurzzeitig, unentgeltlich und in überschaubarem Rahmen erbracht, ein richtiger Bauhelfer arbeitet dagegen länger, häufiger und regelmäßiger mit und erhält dafür ggf. Aufwandsentschädigungen. Ob gefällig oder hauptamtlich, als Bauherr haften Sie üblicherweise für Ihre Bauhelfer mit. Denn diese agieren in Ihrem Auftrag.

Weiterführende Informationen
Freunde und Bekannte richtig absichern

Wichtige Versicherungen beim Hausbau in Eigenleistung

    Bauherrenhaftpflichtversicherung

    Die Bauherrenhaftpflichtversicherung ist eine der wichtigsten Versicherungen für Bauherren - das gilt unabhängig davon, ob der Bau in Eigenleistung oder über eine Hausbaufirma erfolgt. Die Versicherung deckt generell Haftpflichtrisiken durch das Betreiben einer Baustelle ab. Schadensersatz leistet die Versicherung bei fremden Personen- und Sachschäden, so wie bei daraus folgenden Vermögensschäden. Wenn Eigenleistungen beim Bau erbracht werden sollen, muss das der Versicherung im Vorfeld mitgeteilt werden. Sonst ist der Versicherungsschutz für den Eigenanteil unter Umständen gefährdet.

    Bei vielen Haftpflichtprodukten sind Eigenleistungen nur in begrenztem Umfang - in der Regel bis 20.000 Euro oder 25.000 Euro - eingeschlossen. Wird darüber hinaus in Eigenregie gearbeitet, muss der Haftpflichtschutz explizit im Versicherungsvertrag vereinbart werden. Die Prämien fallen dann deutlich höher aus, da Eigenleistungen aus Versicherungssicht ein größeres versicherungstechnisches Risiko darstellen. Beim Bauen mit dem Bauträger obliegt die Versicherung dem Bauträger.

    Gesetzliche Unfallversicherung

    Bedient sich der Bauherr für Eigenleistungen Bauhelfern, müssen diese in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert werden, sofern es sich nicht um reine Gefälligkeitsleistungen handelt. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Nachlässigkeiten in diesem Bereich können zu einem Bußgeld bis zu 2.500 Euro führen. Ggf. sind Sie dann bei Unfallleistungen selbst in der Pflicht. Das Risiko sollten Sie nicht eingehen.

    Bauhelfer müssen spätestens sieben Tage nach Baubeginn bei der Berufsgenossenschaft Bau (BG Bau) angemeldet werden. Der Beitrag richtet sich nach der vorgesehenen Arbeitsdauer und einem Stundensatz. Bei unfallbedingter Invalidität übernimmt die Unfallversicherung Kosten für Reha- und Behandlungsmaßnahmen, erbringt diverse Leistungen und zahlt eine Unfallrente in Abhängigkeit vom Invaliditätsgrad.

    Bauhelfer-Unfallversicherung

    Im Unterschied zum gesetzlichen Unfallschutz ist eine private Bauhelfer-Unfallversicherung freiwillig. Sie macht aber Sinn - insbesondere dann, wenn Bauhelfer beim Bau mitwirken, die nicht unter den gesetzlichen Unfallschutz fallen. In der Regel wird die Bauhelfer-Unfallversicherung für nicht länger als ein Jahr abgeschlossen. Die Funktionsweise ist ähnlich wie bei der gesetzlichen Unfallversicherung, allerdings wird oft keine Rente, sondern eine Invaliditätssumme gezahlt.

    Es gibt zwei Versicherungsmodelle: die Versicherung mit und ohne Namensnennung.

    1. Bei der Versicherung mit Namensnennung sind die versicherten Personen explizit im Vertrag aufgeführt. Der Versicherungsschutz gilt nur für diese.
    2. Beim Vertrag ohne Namensnennung wird nur die Zahl der Bauhelfer angegeben. Der Versicherungsschutz gilt dann personenunabhängig maximal bis zu dieser Zahl.
    Unfallversicherung für den Bauherren

    Als Bauherr sind Sie in gewisser Weise "Unternehmer" - mit der Konsequenz, dass weder der gesetzliche Unfallschutz automatisch greift, noch die private Bauhelfer-Unfallversicherung anwendbar ist. Das gilt im Übrigen auch für mithelfende Ehepartner. Da bei Eigenleistungen eine erhöhte Unfallgefahr besteht, sollte auch für Sie selbst (und ggf. den Partner) Unfallschutz bestehen. Einige Versicherer bieten zu diesem Zweck eine spezielle Bauherren-Unfallversicherung an.

    Die Alternative ist eine normale, private Unfallversicherung. Sie schützt nicht nur bei Unfällen auf der Baustelle, sondern auch beim Sport, in der Freizeit, im Haushalt und im Beruf. Eine freiwillige Versicherung in der BG Bau als Bauherr ist ebenfalls möglich, aber vergleichsweise teuer.

    Risikolebensversicherung

    Das ist sicher der worst case: ein Unfall beim Selbsthandanlegen am Bau endet tödlich. Für einen solchen - zum Glück unwahrscheinlichen Fall - sollte Vorsorge für Angehörige getroffen sein. Einen Mindestschutz bietet eine Risikolebensversicherung. Sie versichert das reine Todesfallrisiko und zahlt bei einem Unglück mit tödlichem Ausgang die vereinbarte Versicherungssumme. Damit können Hinterbliebene finanzielle Verpflichtungen erfüllen, ihren Lebensunterhalt bestreiten, ggf. sogar den Hausbau vollenden.

    Je nach Vereinbarung ist bereits in einer privaten Unfallversicherung eine größere Todesfallsumme vorgesehen. Die Frage eines eigenen oder zusätzlichen Risikolebensschutzes ist danach zu entscheiden.

Ist Rechtsschutz bei Eigenleistung notwendig?

Im Hinblick auf die Haftungsrisiken kann sich die Frage nach einem Rechtsschutz stellen. Dieser ist allerdings nicht nötig. Die Bauherrenhaftpflichtversicherung beinhaltet auch Kosten für Rechtsstreitigkeiten und die rechtliche Abwehr von Haftungsansprüchen. Das Prozessrisiko ist damit bereits weitgehend abgedeckt.

Fazit

Auch wenn es einiges abzusichern gilt - die Versicherungsbeiträge im Zusammenhang mit Eigenleistungen bleiben insgesamt verkraftbar. Sie machen nur einen kleinen Bruchteil der Baukosten insgesamt aus. Es gibt daher keinen Anlass, gerade an dieser Stelle zu sparen.

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