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Maßtoleranzen - was ist erlaubt, was muss geduldet werden?

Wie genau Maße beim Hausbau eingehalten werden müssen ist immer wieder Streitpunkt zwischen Handwerkern, Architekten und natürlich den Bauherren. Gerade als Bauherr erwartet man eine einwandfreie Ausführung. Selbstverständlich müssen Wände gerade sein und der Boden eben. Auch ist die Dicke der Wände entscheidend. Schließlich lassen manche bauherren Möbel auf Maß anfertigen. Und wenn diese nun nicht passen, weil der Putz beispilsweise fünf Millimeter zu dick aufgetragen wurde, ist das mehr als nur ärgerlich. Dennoch gibt es  gewisse Maßtoleranzen im Hochbau und die sind auch technisch eindeutig geregelt.

Es gibt dafür sogar Indstrienormen

  • DIN 18201: Sie regelt beispielsweise die Begriffe und Anwendungen.
  • DIN 18202: Sie beschäftigt sich mit baustoffunabhängigen Toleranzen für die Ausführung von Bauwerken.
  • DIN 18203: Hier sind die zulässigen Toleranzen für Bauteile aus Beton (Stahlbeton, Spannbeton), Stahl und Holz (Holzwerkstoffe) aufgeführt.

Eines muss aber von vornherein klargestellt werden: Die in den Normen aufgeführten Toleranz-Werte sollen zunächst einmal die grundsätzliche Verwertbarkeit des Bauwerks sicherstellen. Ein Gutachter sieht die Maßtoleranzen daher vielleicht in einem anderen Licht, als der Bauherr.

Manchmal wird auch im Vertrag (Leistungsbeschreibung) gesondert etwas zur Maßhaltigkeit ausgeführt. Sofern das nicht der Fall ist, sind mindestens die Grenzmaße, Winkeltoleranzen beziehungsweise Ebenheitstoleranzen einzuhalten.

Begriffe und Definitionen

Definitionen bei Maßtoleranzen

Nennmaß: Das in der Bauzeichnung angegebene Maß (eines Bauteils).

Istmaß: Das durch die Messung festgestellte Maß (eines Bauteils).

Istabmaß (Abmaß): Differenz zwischen Nennmaß und Istmaß.

Kleinstmaß (Mindestmaß): Kleinstes zulässiges Maß (eines Bauteils).

Größtmaß (Höchstmaß):Größtes zulässiges Maß (eines Bauteils).

Grenzabmaß: Differenz zwischen Größtmaß und Nennmaß oder Kleinstmaß und Nennmaß.

Maßtoleranz: Differenz zwischen Größtmaß und Kleinstmaß.

Ebenheitstoleranz: Zulässige Abweichung einer Fläche von der Ebene, wobei eine Ebene nicht gezwungenermaßen waagerecht sein muss.

Winkeltoleranz: Bereich für die zulässige Abweichung eines Winkels vom Nennwinkel.

Stichmaß: Hilfsmaß zur Ermittlung der Istabweichungen von der Ebenheit und der Winkligkeit.

Grenzabmaße von Bauteilen nach DIN 18202

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In der Norm werden unter anderem die zulässigen Abweichungen von Längen, Breiten und Öffnungen angegeben. Beim Feststellen der Maße muss ein Abstand von 10 cm vom Rand gewählt werden, um nicht auszuschließende größere Abweichungen in den Eck- und Randbereichen unberücksichtigt zu lassen.

Bezug

Grenzabmaße in mm bei Nennmaßen in m





bis 3über 3 bis 6über 6 bis 15über 15 bis 30über 30
Maße im Grundriss,
z.B. Längen, Breiten Achs- und Rastermaße
± 12± 16± 20± 24± 30
Maße im Aufriß,
z.B. Geschoßhöhen, Podesthöhen, Abstände von Aufstandsflächen und Konsolen.
± 16± 16± 20± 24± 30
Lichte Maße im Grundriß,
z.B. Maße zwischen Stützen, Pfeilern usw.
± 16± 20± 24± 30-
Lichte Maße im Aufriß,
z.B. unter Decken und Unterzügen
± 20± 20± 30--
Öffnungen,
z.B. für Fenster, Türen, Einbauelemente
± 12± 16---
Öffnungen wie vor,
jedoch mit oberflächenfertigen Leibungen.
± 10± 12---

 

Winkeltoleranzen von Bauteilen nach DIN 18202

Winkeltoleranzen

Die Wand ist schief, doch was sagt die DIN 18202 dazu? Die Winkeltoleranz wird in der Norm über das Stichmaß definiert. Die Meßpunkte sind die gleichen, wie bei der Feststellung der Grenzabmaße (10 cm vom Rand entfernt). Es reicht im Sinne der Norm nicht aus, die Meßlatte direkt auf die Oberfläche der Raumecke zu legen, um somit beispielsweise eine "rund" verputzte Ecke zu verdeutlichen.

Bezug

Stichmaße als Grenzwerte in mm bei Nennmaßen in m




bis 1 müber 1 bis 3über 3 bis 6über 6 bis 15über 15 bis 30über 30 m
Vertikale, horizontale
und geneigte Flächen
± 6± 8± 12± 16± 20± 30

 

Ebenheitstoleranzen nach DIN 18202

masstoleranzen_ebenheit

Wenn Sie glauben, dass Decke (Ober- und Unterseite), Estrich, Bodenbelag oder Wand zu uneben sind, gelten die Werte aus der nachfolgenden Tabelle. Sie gelten nicht bei Spritzbetonoberflächen. Bei Mauerwerk, dessen Dicke gleich einer Steinbreite ist, gelten die Toleranzen nur für die bündige Wandseite. Die Ebenheit einer Fläche wird durch das Auflegen einer Meßlatte festgestellt. Der Abstand der Auflagerpunkte entspricht dabei dem Meßpunktabstand. Der größte Abstand zwischen Meßlatte und Oberfläche ist das Stichmaß, dessen maximaler Wert in Abhängigkeit vom Meßpunktabstand der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen ist.

Bezug

Stichmaße als Grenzwerte in mm bei Meßpunktsabständen in m bis



0,11410>15
Nichtflächenfertige Oberseiten von Decken,
Unterbeton und Unterböden.
1015202530
Nichtflächenfertige Oberseiten von Decken, Unterbeton
und Unterböden mit erhöhten Anforderungen,
z.B. zur Aufnahme von schwimmenden Estrichen, Industrieböden, Fliesen- und Plattenbelägen, Verbundestrichen.

Fertige Oberflächen für untergeordnete Zwecke,
z.B. in Lagerräumen, Kellern.
58121520
Flächenfertige Böden, z.B. Estriche als Nutzestriche,
Estriche zur Aufnahme von Bodenbelägen.

Bodenbeläge, Fliesenbeläge,
gespachtelte und geklebte Beläge.
24101215
Flächenfertige Böden mit erhöhten Anforderungen,
z.B. mit selbstverlaufenden Spachtelmassen.
1391215
Nichtflächenfertige Wände und
Unterseiten von Rohdecken.
510152530
Flächenfertige Wände und Unterseiten von Decken,
z.B. geputzte Wände, Wandbekleidungen,
untergehängte Decken.
35102025
Wie zuvor, jedoch bei erhöhten Anforderungen2381520

 

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