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Zweigeschossiges Massivhaus mit hellgrauem Putz, schwarzer Haustür mit goldenen Details, geschlossenen Rollläden und einer Wildblumenwiese im Vordergrund

„Am Ende wird alles gut“ – unser Massivhaus mit einem lokalen Bauträger

Dr. Aviva Köberlein
Aktualisiert am 7. Juli 2026
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Eigentlich waren Nadine und Pascal mit ihrer Mietwohnung mitten im niedersächsischen Goslar rundum zufrieden. Doch nach dem Besuch einer Baumesse in Göttingen und einem gemeinsamen Abendessen kam plötzlich der Gedanke auf: Eigentlich könnten wir doch auch bauen. Wenige Wochen später standen die beiden an einem Feldrand im Goslarer Ortsteil Vienenburg, blickten auf den Brocken – und waren sich einig: „Das passt.“ Das Grundstück war gekauft, noch bevor überhaupt eine Baufirma feststand.

Was folgte, war ein Hausbau unter Bedingungen, die sich niemand aussucht: Erst bremste 2021 der durch Lieferschwierigkeiten wegen Corona bedingte Holzmangel die Errichtung des Dachstuhls aus, dann ließ der Beginn des Ukrainekriegs 2022 die Baustoffpreise explodieren – Wärmepumpen und selbst Schalterkästen wurden knapp. Und trotzdem blieb der vereinbarte Festpreis stehen. „Vertrag ist Vertrag“, bestätigte der Inhaber der kleinen Baufirma, für die sich Nadine und Pascal ganz bewusst entschieden hatten.

Heute, seit Juni 2022 eingezogen, leben die beiden in einem rund 160 m² großen Massivhaus mit Erker, Doppelgarage und Harzblick. Im Gespräch erzählt Nadine, warum der lokale Baupartner am Ende den Unterschied machte, wie aus kleinen Baupannen gute Lösungen wurden – und was sie beim nächsten Mal anders kalkulieren würde. Ihr Fazit nimmt sie vorweg: „Am Ende wird alles gut.“

Steckbrief
  • Bauherren Nadine & Pascal

  • Standort Vienenburg (Goslar), Niedersachsen – Harzvorland

  • Haustyp Einfamilienhaus, Massivhaus, nicht unterkellert (Bodenplatte)

  • Wohnfläche ca. 160 m²

  • Grundstück 620 m²

  • Bauweise monolithisches Leichthochlochziegel-Mauerwerk mit Dämmung im Stein (keine zusätzliche Dämmung)

  • Besonderheiten zwei Vollgeschosse, Satteldach mit flacher Schräge, Standerker/Zwerchhaus, Doppelgarage

  • Energiestandard KfW 55 mit Wärmepumpe

  • Förderung KfW-153-Kredit (Energieeffizient Bauen) sowie Wärmepumpen-Förderung

  • Baupartner kleine regionale Baufirma, rund 20–30 Häuser/Jahr (Inhaber ist vom Fach)

  • Zeitschiene Grundstückskauf 2020, Baubeginn ca. 2021, Einzug Juni 2022 (rund 1 Jahr Bauzeit)

  • Gesamtsumme 420.000 € inkl. Grundstück (Haus rund 280.000 €), Vollfinanzierung, Außenanlage ca. 30.000 €

  • Gewährleistung 5 Jahre

Erst das Grundstück, dann alles andere

Fertighaus.de: Ihr habt euer 620-m²-Grundstück gekauft, bevor ihr euch für eine Baufirma entschieden habt. Wie kam es zu dieser Reihenfolge?

Nadine: Das war eine ziemlich spontane Entscheidung. Wir waren auf einer Baumesse in Göttingen, saßen danach beim Essen und dachten: Eigentlich wäre das doch eine ganz nette Sache. Dann haben wir uns nach Grundstücken erkundigt und uns auf zwei beworben. Eines lag im Fliegerhorst in Goslar, das andere in Vienenburg. In Vienenburg sind wir dann oben ans Feld gefahren, haben direkt den Blick auf den Brocken genossen und dachten schlicht: „Das passt.“ Bei Grundstücken muss man schnell sein, also haben wir gekauft – und uns um alles andere danach gekümmert.

Rohbau mit Gerüst und Baukran auf einem Baugrundstück am Feldrand, im Vordergrund Sandaufschüttung und blühender Klatschmohn

Das Grundstück am Feldrand in Vienenburg: „Das passt“ – dieses Gefühl war für Nadine und Pascal ausschlaggebend, um zuzugreifen. Rund ein Jahr später steht der Rohbau, drumherum blüht der Mohn.

Fertighaus.de: Hatte die Reihenfolge auch finanzielle Gründe?

Nadine: Ja. Wenn du das Grundstück direkt mit dem Bauträger zusammen kaufst, zahlst du die Grunderwerbsteuer und die Nebenkosten auf den Gesamtpreis. Kaufst du nur das Grundstück, fällt das nur auf den Grundstückspreis an. Und es hat uns enorm den Druck genommen: Wir mussten nicht sofort loslegen, sondern konnten uns in Ruhe ein paar Firmen anschauen.

Fertighaus.de: Wie schnell stand die Finanzierung?

Nadine: Erstaunlich schnell. Wir haben eine Vollfinanzierung gemacht – viel Eigenkapital hatten wir nicht. Unsere erste, unabhängige Finanzberaterin meinte noch, wir sollten lieber sparen. Unser späterer Finanzierungsberater sagte dagegen: Bei Ihnen ist die Sicherheit der Job, da wir beide verbeamtet sind. Die Nebenkosten wie die Grunderwerbsteuer haben wir selbst gezahlt, weil man die nicht mitfinanzieren kann. Den Rest haben wir auf drei Bausteine gestellt – einen KfW-Kredit, ein Annuitätendarlehen und einen Bausparvertrag mit unterschiedlichen Laufzeiten – und zusätzlich noch über einen weiteren Bausparvertrag gegen steigende Zinsen abgesichert.

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Warum es eine kleine Baufirma wurde

Fertighaus.de: Ihr habt euch verschiedene Bauweisen und Anbieter angeschaut. Wie lief eure Auswahl ab?

Nadine: Wir waren wirklich überall: bei Fertighausanbietern, bei Massivbaufirmen, bei Anbietern für Holzständerbauweise, bei Bauunternehmen mit Kataloghäusern, auch im Musterhauspark. Für uns war klar, dass wir relativ viel machen lassen wollten – wir sind handwerklich ehrlich gesagt nicht die Begabtesten, da bin ich noch die Geschicktere von uns beiden. Es sollte also möglichst alles aus einer Hand kommen. Bei den großen Katalogfirmen hat man aber gemerkt: Du sprichst mit einem Verkäufer, der etwas verkaufen will. Bei einer Baustellenbesichtigung hieß es ständig „Wenn Sie das wollen, kostet das extra.“

Fertighaus.de: Und die erste Firma hat euch direkt einen Vertrag vorgelegt?

Nadine: Genau, das war unsere allererste Firma, wir hatten überhaupt keine Erfahrung. Der hat uns den fertigen Vertrag vorgelesen und meinte: „Würden Sie jetzt hier unterschreiben?“ Wir haben uns ziemlich überrumpelt gefühlt. Dort sollte es auch eine Gasheizung sein – Zitat „wenn Nordstream 2 läuft, kein Problem.“ Aus heutiger Sicht zum Glück nicht unterschrieben.

Fertighaus.de: Wie war es dann bei der kleinen Firma?

Nadine: Völlig anders. Mit der hatte schon meine Cousine gebaut, und auch andere hier im Baugebiet – also viel Mundpropaganda. Die Firma baut nur rund 20 bis 30 Häuser im Jahr, der Inhaber ist selbst vom Fach. Beim Gespräch saß man also nicht einem Verkäufer gegenüber, sondern dem, dem die Firma gehört. Er sagte: „Ich weiß genau, welches Haus Sie wollen“, hat uns den Entwurf gemacht und uns sogar geraten: „Nehmen Sie keine Gasheizung, nehmen Sie eine Wärmepumpe.“ Da hatten wir nicht das Gefühl, dass uns jemand etwas andrehen will. Wir haben uns sofort gut aufgehoben gefühlt.

Aus der Höhenvorgabe ein Wunschhaus machen

Fertighaus.de: Der Bebauungsplan gab eine maximale Höhe von 7,5 Metern vor, eine Stadtvilla war damit nicht möglich. Wie seid ihr trotzdem zu eurem Wunschhaus gekommen?

Nadine: Die Stadtvilla war für uns kein Muss – ich wollte vor allem unbedingt einen Erker. Erlaubt waren zwei Vollgeschosse, maximal 7,50 Meter und eine bestimmte Dachneigung. Der Kompromiss ist jetzt, dass wir oben nur eine ganz minimale Schräge haben; am niedrigsten Punkt sind es immer noch rund 2,10 Meter Raumhöhe. Darüber liegt ein flacher Spitzboden mit etwa 1,40 Metern, der prima als Lagerfläche reicht. Wir haben oben praktisch keinen Raumverlust – das sind richtig schöne Räume.

Vorderansicht des Rohbaus mit fertig gedecktem Satteldach, umlaufendem Gerüst, Standerker mit Fenstern und angelegter Doppelgarage links

September 2021: Das flach geneigte Satteldach ist gedeckt, der Standerker mit Zwerchhaus gibt dem Obergeschoss deutlich mehr Nutzfläche – ein Kompromiss aus der 7,5-Meter-Höhenvorgabe des Bebauungsplans. Hinweis: Eine Person und das Logo des Bauträgers wurden mit KI im Bild retuschiert.

Fertighaus.de: Ihr habt ja auch einen Standerker mit Zwerchhaus beziehungsweise einem Quergiebel. Der vergrößert die Fläche im Obergeschoss zusätzlich, oder?

Nadine: Genau, der Erker macht die Räume oben super nutzbar. Von außen sieht man das auch gut.

Fertighaus.de: Und als die Stadtvilla vom Tisch war, hat euch die Firma die Garage zum halben Preis angeboten?

Nadine: Ja, das fand ich extrem zuvorkommend. Unser Ansprechpartner sagte: „Ich habe euch eine Stadtvilla für diesen Preis angeboten, das funktioniert mit dem Bebauungsplan nicht – also gebe ich euch die Garage für die Hälfte.“ Die hätte sonst 30.000 Euro gekostet, so waren es 15.000. Das war einfach fair.

Massiv, einschalig – und bewusst ohne offene Küche

Fertighaus.de: Eure Außenwände bestehen aus Leichthochlochziegeln mit Dämmung im Stein, ganz ohne zusätzliche Dämmplatten. Warum diese monolithische Bauweise?

Nadine: Die wurde so angeboten – ich glaube, es gab da gar keine andere Variante. Der Inhaber hat uns früh erklärt und gezeigt, wie der Stein aussieht. Grundsätzlich ging meine Tendenz ohnehin zu massiv: Man hat im Hinterkopf, dass das länger hält. Eigentlich wollte ich Klinker, weil ich das total schön finde, aber in unserer Region ist das ein gutes Stück teurer. Da haben wir gesagt: Es ist schön, aber nicht zwingend – also sparen wir an der Stelle.

Welche Bauweise passt zu mir?
Blick vom Obergeschoss in ein Treppenauge des Massivhaus-Rohbaus – rote Leichthochlochziegel mit sichtbarem Dämmstreifen, Baukran im Hintergrund

Der Rohbau im August 2021: Deutlich zu sehen sind die Leichthochlochziegel mit integrierter Dämmung, mit denen das Haus einschalig – also ohne zusätzliches Wärmedämmverbundsystem – errichtet wurde.

Fertighaus.de: Du hast bewusst keine offene Küche und kaum bodentiefe Fenster gewählt. Wie ist der Baupartner mit solchen Wünschen umgegangen?

Nadine: Ursprünglich war sogar eine offene Küche geplant, mit mehr bodentiefen Fenstern und mehr Türen. Unsere Änderungswünsche wurden aber anstandslos umgesetzt, ohne große Diskussion. Eine offene Küche wollte ich allein wegen der Gerüche nicht – ich möchte die Tür zumachen können. Bodentiefe Fenster schlucken mir zu viel Stellfläche, und ich fühle mich dann auch schnell beobachtet. Wir haben unfassbar viele Fenster und entsprechend viel Licht, aber eben keine bodentiefen – bis auf die große Terrassentür und das Fenster im Erker. Für den Sicht- und Sonnenschutz haben wir überall Plissees. Bereut habe ich das keinen Tag.

Fertighaus.de: Gab es weitere Wünsche, die einfach mit drin waren?

Nadine: Ja, zum Beispiel eine begehbare Dusche, für die extra eine Wand gezogen werden musste – bei der ersten Firma hätte das alles extra gekostet, hier war es dabei. Und im Vertrag stand eine bestimmte Anzahl Lampen und Steckdosen; für die, die ich nicht wollte, gab es sogar einen Rabatt.

Bauen zwischen Holzmangel und Ukrainekrieg

Fertighaus.de: Ihr habt unter Krisenbedingungen gebaut. Wo habt ihr die Materialknappheit zuerst gespürt?

Nadine: Beim Dachstuhl. Das Holz wurde knapp, Stichwort Engpässe wegen der Pandemie, und wir hatten ein mehr als spontanes Richtfest – nach dem Motto: „Übermorgen kann das Richtfest stattfinden." Lange war gar nicht klar, wann das Holz kommt. Der Rohbau war längst fertig, es fehlte einfach das Holz fürs Dach. Das hat sich über den Sommer gezogen.

Fertighaus.de: Wie lange habt ihr gewartet, und wie habt ihr diese Zeit erlebt?

Nadine: Das Richtfest war Ende August, der Rohbau bestimmt schon zwei Monate vorher fertig. Natürlich will man, dass es weitergeht, wenn von außen schon alles so gut aussieht – aber man übt sich dann in Geduld. Bereitstellungszinsen mussten wir übrigens keine zahlen, das war zeitlich gerade noch knapp.

Fertighaus.de: 2022 kam dann der Ukrainekrieg, und plötzlich fehlten Wärmepumpen. Was bedeutete das für euch?

Nadine: Wir haben tatsächlich eine andere Wärmepumpe bekommen als ursprünglich im Vertrag stand – der Heizungsbauer hatte irgendwann alle aufgekauft, die er noch kriegen konnte. Wir hatten dann eine Weile Baustrom im Hauswirtschaftsraum. Die Kosten dafür haben wir uns geteilt: Einen Teil hat die Firma übernommen, wir sind also nicht komplett darauf sitzen geblieben.

Fertighaus.de: Gleichzeitig sind die Baustoffpreise explodiert. Trotzdem gab es bei euch keine Nachforderungen?

Nadine: Genau, und das wurde früh kommuniziert. Der Inhaber sagte: „Wir haben hier einen Festpreis gemacht, daran halte ich mich. Ist jetzt mein Problem, dass die Kosten gestiegen sind – aber ihr müsst nicht mehr bezahlen.“ Da sind uns wahre Steine vom Herzen gefallen, gerade bei einer Vollfinanzierung. Bei uns im Baugebiet ist eine Firma zwischendurch insolvent gegangen, da stand ein Haus zwei Jahre lang unfertig in Wind und Wetter. Andere haben von Nachforderungen erzählt. Diese Preissicherheit war für uns wirklich wichtig.

Fertighaus.de: Und die Rechnungen kamen immer erst nach Abnahme?

Nadine: Ja, immer erst, wenn das Gewerk fertig und abgenommen war – Teilrechnung für Teilrechnung, nie Vorkasse. Ich hatte vorher Hausbau-Blogs gelesen, in denen überall steht, dass man auf keinen Fall vorab zahlen soll. Als er uns das genau so erklärt hat, dachten wir: Das ist seriös, das passt.

Kleine Pannen – und wie sie gelöst wurden

Fertighaus.de: Kein Hausbau läuft ganz ohne kleine Fehler. Eine Mauer an eurer Treppe wurde anders ausgeführt als geplant. Was war da los?

Nadine: Die Innenmauer an der Treppe sollte eigentlich nur halbhoch werden, als eine Art Handlauf. Gemauert wurde sie aber komplett. Beim Richtfest fiel das unserem Bauleiter auf, und er fragte: „Die sollte doch nur halbhoch werden – sollen wir sie wieder einreißen?“ Sie hätten sie tatsächlich wieder abgerissen. Wir haben dann überlegt: Einreißen ist doch Quatsch, lass uns oben einfach die Brüstung etwas breiter machen, dann haben wir mehr Ablagefläche. Heute sind wir sehr glücklich damit, weil wir unten drunter eine schöne Garderobe einbauen konnten.

Fertighaus.de: Und im Bad fehlte zunächst der Abfluss für die Badewanne?

Nadine: Ja, ich glaube, mein Schwiegervater fragte irgendwann: „Wo ist denn der Abfluss?“ Aufgefallen ist es, nachdem die Schicht über der Fußbodenheizung schon durchgezogen war. Der Abfluss wurde dann aber nachträglich noch gelegt, und die Badewanne steht jetzt genau dort, wo sie hin soll.

Zimmer im Rohbau-Innenausbau mit verputzten Wänden, Fußbodenheizung, Metallständerwerk für eine Trockenbauwand und einem quer angeordneten Fenster über der geplanten Badewannen-Position

Das obere Bad im Dezember 2021: Unter dem breiten Fenster links sollte die Badewanne stehen – der zunächst vergessene Abfluss wurde nachträglich noch gelegt, bevor der Estrich final durchgezogen war.

Fertighaus.de: Es gab noch weitere kleine Themen, etwa zu niedrig gemauerte Fensterauslässe. Wie lief die Kommunikation, wenn so etwas auftauchte?

Nadine: Völlig unkompliziert. Wir haben einfach eine E-Mail an unseren Bauleiter geschrieben, beim Mauerwerk direkt an den Firmeninhaber – und die haben sich schnell darum gekümmert. Auf den Fensterbänken waren zum Beispiel noch Klebereste, da kamen sie extra noch mal und haben das sauber gemacht.

Fertighaus.de: Was würdest du anderen Baufamilien mitgeben, wenn doch mal etwas schiefläuft?

Nadine: Kommunikation hilft immer. Aber das Meiste entscheidet sich schon im Vorfeld: Wenn ich einen ordentlichen, seriösen Bauträger habe, klappt es auch dann, wenn mal etwas schiefgeht. Wenn jemand einem von Anfang an nur etwas verkaufen will, können bei der Mängelbeseitigung schon ein paar Warnlampen angehen. Bei uns war es auch ein Stück Mundpropaganda – meine Cousine und andere im Baugebiet hatten gute Erfahrungen gemacht.

Bemusterung und Eigenleistung

Fertighaus.de: Wie habt ihr die Bemusterungstermine erlebt?

Nadine: Ich kann eher sagen, wo es nicht so gut lief – bei den Fliesen. Wir wurden in die Ausstellung geschickt, hatten praktisch keine Beratung und sollten einfach gucken. Das finde ich schwierig, weil man sich die Wirkung oft schlecht vorstellen kann. Am Ende hat uns sogar der Fliesenleger gesagt, dass wir Bodenfliesen als Wandfliesen ausgesucht hatten – grundsätzlich kein Problem, aber dicker und schwerer zu schneiden. Unser Bauträger wollte da auch noch intervenieren, dass man uns so nicht hängen lassen kann.

Fertighaus.de: Und wo lief die Beratung gut?

Nadine: Bei der Sanitärgeschichte war sie top. Für unser kleines Gästebad unten wurde uns eine Faltwand für die Dusche empfohlen – zuerst war ich nicht angetan, aber die kann man komplett zur Seite falten, wenn niemand duscht. Richtig cool. Auch die Elektrobemusterung war gut, die war bei uns direkt vor Ort. Da kam der Hinweis, wie wichtig ganz normale Lichtschalter und Steckdosen sind – der Berater erzählte von Häusern, in denen man das Licht nur per Handy einschaltet, und wenn man dann ein Kind auf dem Arm hat und es dunkel ist, kommt man nicht ans Handy. Den Außenfühler der Heizung hatten wir zuerst aus mangelndem Wissen nach Süden gesetzt – wurde aber problemlos nach Norden umgesetzt.

Fertighaus.de: Was habt ihr in Eigenleistung übernommen?

Nadine: Tapezieren und Fußboden – wir haben Vinyl verklebt, mit Hilfe eines Bekannten ging das ziemlich fix. Und wir mussten die Dachsparren oben selbst streichen, das war wild, aber das wussten wir vorher. Praktisch war, dass wir Material bei einem Markt in Goslar auf die Rechnung der Baufirma kaufen konnten und uns so etwas gespart haben. Was wir bis heute nicht gemacht haben, sind die Rauhspund-Bretter auf dem Dachboden – die liegen alle oben, aber unverlegt. Hätten wir vom Aufwand vorher gewusst, hätten wir sie einfach mitverlegen lassen.

Was wir beim Budget unterschätzt haben

Fertighaus.de: Du sagst, die Kostenaufstellung war von Anfang an transparent. Woran hast du das gemerkt?

Nadine: Bei der Bemusterung gab es immer einen klaren Pauschalpreis, etwa pro Quadratmeter Fliese. Wenn man etwas Besonderes wollte – wie unsere Duschwand – kostete es eben etwas mehr, aber das war alles machbar und nachvollziehbar. Versteckte Überraschungen kamen später keine.

Fertighaus.de: Wenn du heute neu kalkulieren würdest – was würdest du anders machen?

Nadine: Wir sind insgesamt im Budget geblieben, wir haben 420.000 Euro aufgenommen, davon waren rund 280.000 Euro fürs Haus kalkuliert. Trotzdem hätten wir besser noch einmal 30.000 Euro mehr aufgenommen – wir haben vor allem die Außenanlagen unterschätzt. Terrasse, Wege, das Pflastern rund um die Garage, die Einfahrt: Das waren grob 30.000 Euro, und die haben wir separat vergeben, das gehörte nicht mehr zum Hausbau. Unsere erste Finanzberaterin hatte für die Außenanlagen nur 15.000 Euro angesetzt – das passte hinten und vorne nicht. Einen Keller haben wir übrigens nicht; die sind einfach zu teuer geworden, da gibt es kaum noch welche. Außerdem kann die Entsorgung des Bodenaushubs sehr teuer werden, wenn der Boden belastet ist. Das wussten wir vorher nicht.

Kostenübersicht: Hausbau Nadine & Pascal

Die Beträge für Haus, Garage und Außenanlagen stammen aus dem Interview. Der Grundstückspreis sowie die Kaufnebenkosten wurden auf Basis des Bodenrichtwerts laut BORIS Niedersachsen (120 €/m² für den Bezugszeitraum 2020) hochgerechnet, da Nadine im Interview keinen konkreten Kaufpreis genannt hat – diese Werte sind demnach als redaktionelle Schätzung zu sehen und können vom tatsächlich gezahlten Kaufpreis abweichen.

Tabelle: Baukosten für Nadines & Pascals Massivhaus
Position Betrag Anmerkung
Bau
Haus (Massivhaus, KfW 55 mit Wärmepumpe) inkl. Thermobodenplatte ca. 280.000 € Kalkulation laut Nadine; ca. 160 m² Wohnfläche
Doppelgarage 15.000 € Kompromiss: ursprünglich 30.000 € angeboten – Hälfte erlassen, nachdem die Stadtvilla wegen des Bebauungsplans nicht möglich war
Material für Eigenleistungen 20.000 € Vinylboden, Tapeten, Dachsparren-Lasur
Außenanlagen ca. 30.000 € Terrasse, Wege, Pflasterung Garage/Einfahrt; separat vergeben, nicht über den Bauträger
Zwischensumme Bau ca. 345.000 € Haus + Fundament + Garage + Außenanlagen
Grundstück
Grundstück (620 m² × 120 €/m²) ca. 74.400 € Schätzung auf Basis Bodenrichtwert 2020 laut BORIS Niedersachsen; tatsächlicher Kaufpreis nicht genannt
Aufgenommene Finanzierungssumme
Vollfinanzierung gesamt 420.000 € drei Bausteine: KfW-153-Kredit, Annuitätendarlehen, Bausparvertrag (plus zusätzlicher Bausparvertrag zur Zinsabsicherung)
Nebenkosten (aus Eigenmitteln, nicht über das Darlehen)
Grunderwerbsteuer (5 % auf Grundstück, Niedersachsen) ca. 3.720 € Vorteil der getrennten Beauftragung: Steuer fällt nur auf den Grundstückspreis an, nicht auf den Gesamtpreis
Notar, Grundbuch (geschätzt ca. 1,5 %) ca. 1.100 € Standardrate; tatsächliche Notar- und Grundbuchkosten können abweichen
Baunebenkosten (15 % der Bausumme) ca. 32.000 € z.B. Gebühren, Versicherungen, Bauwasser
Gesamtkosten ca. 456.000 € Haus + Fundament + Baunebenkosten + Außenanlagen
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Würden wir wieder so bauen? Das Fazit

Fertighaus.de: Was würdest du von Anfang an anders einplanen?

Nadine: Wir hätten von vornherein eine Photovoltaikanlage aufs Dach gebaut – unsere Nachbarn haben auf einer Dachseite gar keine Ziegel mehr, sondern komplett PV, total praktisch. Auch eine Terrassenüberdachung hätten wir gleich mitgeplant, das macht unser Fensterbauer ohnehin. Bei den Schaltern und Steckdosen ist es nur Feinschliff: Im Wohnzimmer fehlt mir ein Lichtschalter links, wenn ich aus der Küche komme, und oben im Bad sitzt der Schalter für den Spiegelschrank links statt rechts. In zwei Räumen hätte ich lieber eine Doppel- statt einer Einzelsteckdose gesetzt. Aber das ist alles Jammern auf hohem Niveau.

Fertighaus.de: Wie sieht der Kontakt zu eurem Baupartner heute aus?

Nadine: Wir hatten letztens noch mal Kontakt wegen ein paar Rissen – wir wollten in der Gewährleistungsphase klären lassen, ob das Setzrisse sind oder etwas Kritisches; wir haben fünf Jahre Garantie aufs Haus. Der Inhaber war vorher auch schon mal persönlich da und hat gefragt, ob alles in Ordnung ist – und uns selbst erlegtes Wildschwein und Rehbratwürste mitgebracht. Und zu Weihnachten bekommen wir jedes Jahr ein Aktion-Mensch-Los, das ist ja auch nicht selbstverständlich und freut uns immer sehr.

Fertighaus.de: Im Vergleich zu anderen Bauprojekten in eurer Umgebung – was war für euch der größte Unterschied?

Nadine: Dass es bei uns im Vergleich ziemlich reibungslos lief. Wir haben von anderen gehört, da sind die Fliesen von der Wand gefallen, es gab einen Wasserschaden, Stress mit dem Bauträger, weil man auf Änderungen nicht eingegangen ist. Bei uns lief es von vorne bis hinten wirklich gut. Und auch wenn man sprichwörtlich sagt, das erste Haus baut man für seinen Feind – ich finde hier ganz vieles richtig gut gelungen: das Wohnzimmer mit der großen Tür zur Terrasse, die lichtdurchfluteten Räume, die Küche mit viel Abstellfläche.

Fertighaus.de: Wenn du eure Bauzeit in einem Satz zusammenfasst?

Nadine: Am Ende wird alles gut – trotz kleiner Schwierigkeiten zwischendurch aufgrund äußerer Umstände.

Gepflasterte Terrasse mit Sonnenschirm, Gartentisch und Stühlen an der Hausseite mit Standerker; im Hintergrund freie Feldlage mit Blick auf den Harz

Frühjahr 2025 auf der Terrasse: Rund 30.000 Euro Außenanlagen stecken in Pflaster, Wegen und Einfahrt – dafür gibt es jetzt den ungestörten Feldblick, für den sich Nadine und Pascal einst spontan entschieden haben.

Einordnung der Redaktion

Nadines und Pascals Geschichte zeigt, dass es beim Hausbau weniger auf die Größe der Firma ankommt als auf Transparenz und Verlässlichkeit. Ein verbindlicher Festpreis und Teilrechnungen erst nach Abnahme haben das Projekt selbst durch zwei Lieferkrisen getragen – den pandemiebedingten Holzmangel 2021 und die Preissteigerungen und Lieferengpässe nach Kriegsbeginn 2022. Wer ähnlich plant, sollte vor allem die Außenanlagen realistisch kalkulieren: Hier klafften zwischen erster Schätzung (15.000 €) und tatsächlichen Kosten (rund 30.000 €) Welten.

Nadines & Pascals Hausbau in Niedersachsen: Das Wichtigste auf einen Blick

  • Erst das Grundstück, dann die Firma: Nadine und Pascal kauften 2020 ihr 620-m²-Grundstück, bevor sie eine Baufirma wählten – das nahm Druck heraus und sparte Nebenkosten.
  • Bewusst klein: Statt eines großen Anbieters mit Hauskatalog entschieden sie sich für eine kleine, regionale Baufirma (rund 20–30 Häuser pro Jahr), deren Inhaber selbst vom Fach ist.
  • Festpreisgarantie wurde eingehalten: Trotz explodierender Baustoffpreise infolge des Ukrainekriegs gab es keine Nachforderungen – „Vertrag ist Vertrag“.
  • Zwei Lieferkrisen gemeistert: 2021 verzögerte der Holzmangel das Richtfest, 2022 wurden Wärmepumpen und Schalterkästen knapp.
  • Kleine Pannen, fair gelöst: Eine zu hoch gemauerte Treppenwand und ein zunächst vergessener Badewannenabfluss wurden unkompliziert korrigiert beziehungsweise zum Vorteil umgedeutet.
  • KfW 55 mit Wärmepumpe: monolithisches Ziegelmauerwerk ohne zusätzliche Dämmung; finanziert unter anderem über einen KfW-Kredit.
  • Budget: 420.000 € Gesamtsumme inklusive Grundstück, Vollfinanzierung – die Außenanlagen mit rund 15.000 € wurden deutlich unterschätzt.
  • Fazit: „Am Ende wird alles gut“ – im Vergleich zu Nachbarprojekten verlief der Bau bemerkenswert reibungslos.
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