„Ich hätte nie gedacht, dass ich mal ein Haus bauen kann“: Caros und Damians Bungalow-Bausatzhaus
Ostern 2019, ein Feld in ländlicher Umgebung bei Rostock. Zwei Maurer legen die erste Steinreihe, zeigen Caro und Damian, worauf es ankommt – und fahren wieder. Am Abend klingelt das Telefon. Ihr Baubetreuer ist dran: Die beiden Profis hätten sich auf der Rückfahrt unterhalten. Ihr Urteil: Zu zweit schafft ihr das nicht.
Doch dann dachten sich die beiden: Jetzt erst recht. Und so haben Caro und Damian es geschafft. Über Ostern, von sechs Uhr morgens bis neun Uhr abends, mit Frühstück auf der ersten Steinlage der Garage, geschwollenen Fingern und einem Stromkabel, das quer übers Feld in den Hauswirtschaftsraum der Nachbarn führte. Ihr Bungalow aus Ytong* ist ein Bausatzhaus: Material, Fenster und Dachstuhl kamen vom Baupartner, gemauert, gedeckt, gefliest, gespachtelt und gepflastert haben die beiden größtenteils selbst. Am 1. Oktober 2019 sind sie eingezogen – in einen halben Rohbau.
Sieben Jahre später leben sie mit ihrem fünfjährigen Sohn auf 160 Quadratmetern, eine Ebene, Walmdach, Kamin in der Mitte. In diesem Interview erzählen sie, warum aus der Traum-Stadtvilla ein Bungalow wurde, wie 13 Monate Grundstückskampf ihre Planung am Ende verbessert haben, wo sie die Grenze zur Fachfirma gezogen haben – und was die Eigenleistung nach sieben Jahren wirklich wert ist.
* „Ytong“ ist ein Markenname des Herstellers Xella, wird im Alltag aber oft als Synonym für Porenbeton verwendet. Caro und Damian haben mit Porenbeton-Steinen gebaut, die über ihren Baupartner Baustein Bausatzhaus MV geliefert wurden.
Baufamilie Caro & Damian (+ Sohn, 5)
Standort bei Rostock, Mecklenburg-Vorpommern
Haustyp Bungalow mit Walmdach (ca. 35° Dachneigung) und angebauter Doppelgarage
Bauweise Massiv, Porenbeton (Ytong), Stein auf Stein in Eigenleistung gemauert
Baupartner Baustein Bausatzhaus MV (Neubrandenburg) – Bausatz mit Baubetreuung
Wohnfläche ca. 160 m² (ursprünglich ca. 170 m² geplant)
Dachboden ca. 28 m² Lagerfläche, als Wohnraum-Reserve nutzbar
Garage ca. 60 m²
Grundstück 999 m², Altbestand (kein Neubaugebiet)
Heizung Sole-Wasser-Wärmepumpe (Nibe) mit Grabenkollektor in Eigenleistung, Fußbodenheizung, Dreiseitenkamin
Lüftung Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung
Energie Nicht nach KfW gebaut. Energieausweis (EnEV): Endenergiebedarf 28 kWh/(m²·a), Primärenergiebedarf 40 kWh/(m²·a) bei Anforderungswert 62
PV Seit September 2026: ca. 14 kWp mit 9,9 kWh Speicher
Abwasser Biologische Kleinkläranlage
Gesamtkosten ca. 300.000 € inkl. Grundstück (Finanzierungssumme), Außenanlagen später zusätzlich
Bauzeit Baustart März 2019, Rohbau mit Dach ca. Juli 2019, Einzug 01.10.2019, danach 4–5 Monate Restausbau
Von der Stadtvilla zum Bungalow: Warum am Ende alles auf einer Ebene lag
Fertighaus.de: Wie kam es überhaupt dazu, dass ihr bauen wolltet?
Caro: Wir sind zusammen in eine Mietwohnung gezogen, und die Mieten wurden immer teurer. Irgendwann haben wir gesagt: Wir werden nicht jünger – wie lange wollen wir noch warten? Dann sind wir überall rumgefahren, haben nach Grundstücken geguckt und uns bei den Banken erkundigt.
Fertighaus.de: Ihr habt in eurem Bautagebuch geschrieben, dass ihr aus früheren Wohnsituationen genau wusstet, was ihr nicht wollt. Was stand auf dieser Liste?
Caro: Punkt Nummer eins: keine Dachschrägen. Wir hatten eine Wohnung im Dachgeschoss, und ich habe vorher in einem Haus mit Schrägen gewohnt. Jedes Mal, wenn ich aus dem Bett gestiegen bin, habe ich mir den Kopf gestoßen. Ich wollte auch nicht bei jedem Möbelstück gucken müssen, ob es unter die Schräge passt. Außerdem wollten wir keine Gasheizung, keine Styropor-Dämmung an den Wänden und kein Fertigteilhaus. Es sollte Stein auf Stein gebaut sein.
Caros und Damians Bungalow heute – sieben Jahre nach dem Einzug, seit September 2026 mit PV-Anlage.
Fertighaus.de: Ein Bungalow war trotzdem nicht der ursprüngliche Plan.
Damian: Nein, wir wollten eine Stadtvilla. Wir hatten auf Instagram unglaublich viele gesehen und waren total in dem Thema drin. Aber die nächste Stadtvilla in unserer Umgebung steht acht bis zehn Kilometer entfernt. Wegen der umliegenden Bebauung durften wir keine bauen. Irgendwann haben wir gesagt: Okay, dann setzen wir die obere Etage eben daneben. So ist der Bungalow entstanden.
Fertighaus.de: Wie hat euer Umfeld reagiert?
Damian: Ehrlich gesagt hat uns kaum jemand geglaubt. Ihr wollt alles alleine machen? Ihr habt doch gar keine Ahnung vom Handwerk. Und dann noch Bungalow – das klang für viele nach Haus für alte Leute, während die Stadtvilla gerade das Szeneobjekt war.
Caro: Heute sind wir absolut glücklich über den Bungalow. Wenn ich beruflich in den fünften Stock ohne Fahrstuhl muss, weiß ich zu schätzen, dass ich im Bungalow wohne. Und wenn man sich Möbel liefern lässt, ist jeder froh: keine Treppen. Bungalows sind inzwischen ja auch wieder total im Trend.
Damian: Mit Kind sowieso. Unser Sohn ist immer in der Nähe, wir müssen nicht Treppe hoch, Treppe runter und rätseln, was er da oben treibt. Da hat uns das Schicksal ganz gut geleitet.
Warum Stein auf Stein als Bausatz
Fertighaus.de: Massiv sollte es also sein. Wie seid ihr beim Bausatzhaus gelandet?
Damian: Wir hatten uns zuerst einen regionalen Anbieter angesehen, der fertig geplante Bungalows aus Porenbeton angeboten hat. Da hatten wir aber kaum Spielraum. Die Raumgrößen waren vorgegeben, und wenn man eine Wand versetzen wollte, ging das entweder gar nicht oder wurde sehr teuer. Ich meine, für einen Meter Verschiebung fing es irgendwo bei 5.000 bis 10.000 Euro an. Damit war das für uns schnell erledigt.
Caro: Über das Internet sind wir dann auf Baustein Bausatzhaus MV gestoßen, haben Kontakt aufgenommen und sind zum Kaffee hingefahren. Total locker. Wolfgang, unser Baubetreuer, hat gesagt: Das kriegen wir alles hin. Was ihr selbst könnt, macht ihr selbst. Was nicht, dafür habe ich Gewerke. Abwasser? Könnt ihr machen, das wird quasi gepuzzelt, ich mache euch den Plan. Und du sitzt da und denkst: Okay, wenn du das sagst – da bin ich ja mal gespannt. Am Ende haben wir sogar mehr selbst gemacht als geplant.
April 2019: Caro mauert die Wände selbst – die Profis hatten nur die erste Steinlage gelegt.
Fertighaus.de: Was genau heißt Bausatz bei euch?
Damian: Wir haben Material, Fenster mit Haustür und den Dachstuhl geliefert bekommen. Planung, Statik und Bauantrag liefen über den Baupartner. Alles andere haben wir uns aufgeteilt: Was wir uns zutrauen, machen wir. Was aus Gewährleistungsgründen oder vom Aufwand her keinen Sinn ergibt, vergeben wir. Wie viel man damit spart, sieht man an der Bodenplatte: Wir hatten Angebote zwischen ungefähr 25.000 und 50.000 Euro. Da haben wir gesagt: Das schaffen wir, das machen wir selbst.
Stein auf Stein: Damian beim Mauern im April 2019.
Caro: Wolfgang kam immer wieder vorbei, hat angeleitet und war immer erreichbar. Selbst sonntags kam nach spätestens zwei Stunden eine Antwort. Das findet man nicht bei jeder Baufirma.
13 Monate bis zum Grundstück: Erbengemeinschaft, Makler und umkämpfte 40 Zentimeter
Fertighaus.de: Bis zur Beurkundung eures Grundstücks hat es über ein Jahr gedauert. Wann war euch klar, dass das kein normaler Grundstückskauf wird?
Caro: Ziemlich früh. Das Grundstück gehörte einer Erbengemeinschaft, die über ganz Deutschland verstreut war, und lief über einen Makler, der oft nicht erreichbar war, und selbst die Verkäufer nie erwischt hat. Wir sollten das Grundstück gegen eine Gebühr reservieren und eine Ausweiskopie an jemanden schicken, den wir nie gesehen hatten. Und die Verkäufer wollten eine fertige Finanzierung sehen, bevor überhaupt etwas passiert war.
Kurz vor Weihnachten 2017 hatten wir angefragt, im Frühsommer 2018 stand die Finanzierung. Und dann kam der Makler plötzlich damit, dass er 40 Zentimeter von unserem Grundstück abziehen müsse. Die Parzellen waren mit Circa-Maßen angeboten: ungefähr 20 Meter breit, 50 Meter lang. Unser Haus war auf 20 Meter Breite fertig geplant. Da war bei mir Ende. Ich habe gesagt: Hier wird nichts abgezogen, sonst sind wir raus.
Das Grundstück im Altbestand am Feldrand: Bis zur Beurkundung vergingen 13 Monate.
Fertighaus.de: Wie habt ihr das gelöst?
Caro: Zusammen mit einem zweiten Interessenten, unserem heutigen Nachbarn, haben wir den Verkäufern klargemacht: Wenn es jetzt nichts wird, sagen wir ab. Ab da ging es plötzlich schnell. Den Vermesser haben wir über einen Kontakt aus Damians Kundenkreis selbst organisiert. Am Ende waren es 13 Monate. Wir waren nervlich wirklich am Ende.
Fertighaus.de: Und das Bauamt?
Caro: Die Mühlen mahlen langsam. Der Chef unserer Sanitärfirma riet uns, bloß nicht nachzufragen, sonst lande der Antrag wieder unten auf dem Stapel. Irgendwann sind wir trotzdem hingefahren und wurden von Donnerstag auf Dienstag vertröstet, dann wieder auf Donnerstag. Am Ende habe ich am Telefon geweint. Mein Fazit: Wer baut, muss auch nervlich dafür bereit sein.
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Jetzt Angebote anfordernAbgelehnt wegen 0,02: Die GRZ und das gestrichene Zimmer
Fertighaus.de: Als das Grundstück endlich da war, kam der nächste Rückschlag.
Damian: Unsere Grundflächenzahl war ein Tick zu groß, um 0,02. Wirklich minimal. Alles war fertig zur Abgabe, und dann hieß es: zu groß, abgelehnt. Das war eine Katastrophe. Wir haben eigentlich vorne eine riesige Überdachung am Eingang, die lieben wir, und hinten war noch eine zweite Überdachung mit einem zusätzlichen Raum geplant. Den hinteren Teil haben wir weggelassen. Vorne wollten wir auf keinen Fall verzichten – das ist unsere Schmutzschleuse und ein wetterfester Eingang. Die hinteren Räume sind dafür etwas größer geworden, wir haben bis zur Maximalgrenze geplant.
Die Gartenseite 2023: Nach der GRZ-bedingten Umplanung wurde die Rückseite gerade, die Terrasse läuft komplett durch.
Fertighaus.de: Fehlt euch dieser Raum heute?
Damian: Mittlerweile nicht mehr. Der Gedanke war: falls doch zwei Kinder kommen, oder als Gästezimmer. Meine Familie wohnt im Ruhrgebiet und kommt gerne an die Ostsee. Es ist dann bei einem Kind geblieben.
Caro (lacht): Ich habe damals immer gesagt: Das Bauamt ist schuld, dass wir nur ein Kind haben. Ich bin da sehr impulsiv. Wir haben aber noch einen großen Dachboden, rund 28 Quadratmeter, so hoch, dass man die Decke auch im Sprung nicht erreicht. Der ist derzeit Lagerfläche, wäre aber unsere Notfall-Reserve für Wohnraum oder ein Büro gewesen. Platz haben wir genug.
Das Jahr Wartezeit als Planungsgewinn
Fertighaus.de: Ihr sagt, ohne die lange Wartezeit sähe euer Haus heute ganz anders aus. Was hat sich geändert?
Damian: Fast alles. Ich hatte auf Instagram eine Bauseite aufgemacht und angefangen, unsere Geschichte aufzuschreiben. Daraufhin haben sich viele gemeldet, die ein Jahr vor uns gebaut hatten, einige haben wir sogar besucht. Dazu kamen Leute, die bei uns im Ort gebaut hatten. Das fing bei den Raumgrößen an, ging über das große Bad – Dusche, Badewanne, der Platz fürs Waschbecken – und endete bei der Küche, die wir komplett umgeworfen haben.
Caro: Wir wollten eine grifflose Küche mit matten Fronten. Eine Instagram-Bekanntschaft, mit der wir heute befreundet sind, hat uns davon abgeraten: Geh mal ins Bad, wasch dir die Hände und versuch dann, mit nassen Fingern eine grifflose Schublade aufzuziehen – da rutschst du ab und tust dir richtig weh. Und nimm glatte statt matter Oberflächen, die lassen sich abwischen. Solche Tipps haben wir angenommen. Heute würden wir an der Küche nichts ändern.
Die Küche im Oktober 2019 – mit Griffen, auf den Rat einer Instagram-Bekanntschaft.
Fertighaus.de: Gab es auch Dinge, die erst in dieser Zeit dazukamen?
Caro: Der Kamin. Den hatten wir anfangs gar nicht eingeplant. Viele Nachbarn haben einen Schornstein mitgebaut und gesagt: Den Kamin bauen wir in fünf Jahren ein. Die haben bis heute keinen. Genauso mit der Garage: Viele sagen, Garage oder Carport kommt später. Weil wir so viel selbst gemauert haben, war das für uns gar keine Debatte. Ein paar Steine, etwas Dachmaterial und das Tor – wenn man überlegt, was eine Fertiggarage heute kostet, ist das verrückt. Wir sind im Winter fast die Einzigen hier, die nicht ihre Autos kratzen müssen.
Außerdem haben wir in polnischen Baumärkten verglichen und dort Fliesen, Badmöbel und später den Rollputz deutlich günstiger gekauft. Durch das Jahr Wartezeit haben wir eigentlich alles richtig gemacht – wir bereuen nichts.
Finanzierung: Erst rechnen, dann träumen
Fertighaus.de: Ihr habt über euren damaligen gemeinsamen Arbeitgeber finanziert. Wie lief das?
Caro: Wir kommen beide aus der Versicherungsbranche. Natürlich haben wir verglichen. Viele Angebote waren anfangs günstig und wurden später teurer – wir wollten es genau andersherum: jetzt viel zahlen, im Alter wenig oder nichts mehr. Eine Kollegin hat uns die Finanzierung so geschnürt und erklärt, dass wir sie verstehen. Ausgezahlt wurde nach Baufortschritt.
Das Wichtigste war aber: Wir haben uns vorher durchrechnen lassen, was wir uns überhaupt leisten können. Viele gehen da blind ran, und der Finanzierer muss ihnen den Zahn ziehen. Denn man hat in der Bauzeit eine ständige Verarmungsangst – man unterschreibt Rechnungen, bevor überhaupt etwas losgeht.
In der Wartezeit habe ich dann auch noch das Buch Ich glaube, der Fliesenleger ist tot! von Julia Karnick gelesen. Darin geht es um eine Familie bei Hamburg, die beim Ausbau ihres Hauses auf eine Firma nach der anderen hereinfällt. Unter jedem Kapitel stand ein Strich und die Summe, die sie das gekostet hat. Man kann in der Zeit sowieso schon schlecht schlafen – danach hatte ich noch mehr Verarmungsangst. Im Nachhinein kann man darüber lachen. Daher kann ich nur sagen: Lasst euch vorher durchrechnen, was ihr euch wirklich leisten könnt. Das ist der wichtigste Punkt überhaupt.
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Gratis Angebot einholenOstern auf der Baustelle: Mauern gegen die Prognose
Fertighaus.de: Wie seid ihr als Laien ans Mauern herangegangen?
Damian: Wolfgang hat für einen Tag zwei Maurer mitgebracht. Die haben die erste Steinlage gelegt und uns gezeigt, worauf wir achten müssen. Dann waren wir allein. Wir hatten ein festes Datum, weil Caros Cousin Dachdecker ist und nur in einem bestimmten Zeitraum helfen konnte. Bis dahin musste das Mauerwerk bis zum Ringanker stehen. Sonst hätten wir Pech gehabt.
Caro: Und abends kam dann dieser Anruf: Die beiden Maurer haben gesagt, das schafft ihr allein nicht. Das war für uns der Ansporn: Jetzt erst recht. Wir hatten über Ostern komplett Urlaub und unglaubliches Glück mit dem Wetter. Wir haben auf der ersten Steinlage der Garage gefrühstückt und uns jeden Tag ein Ziel gesetzt. Und das ganze Dorf kam gucken.
Fertighaus.de: Gab es Momente, in denen es fast nicht geklappt hätte?
Caro: Zwei Steine haben gefehlt, ganz am Ende. Ich war auf 180: Wir schaffen unser Tagesziel nicht wegen zwei Steinen! Unser Bauleiter war völlig entspannt und kam am nächsten Tag mit fünf Steinen vorbei – falls wir uns verschneiden.
Und wir hatten keinen Baustrom, weil der Versorger zu lange brauchte. Steine und Steinsäge waren geliefert, der Zeitplan stand. Also durften wir gegen Bezahlung den Strom der Nachbarn nutzen: eine Kabeltrommel über zwei Grundstücke, durch die Hecke in ihren Hauswirtschaftsraum. Einmal hatte sich das Kabel an einer Anhängerkupplung verheddert, und wir sind hinterhergerannt. Ohne diese Nachbarn hätten wir keine Steine schneiden können.
März 2019: Den Grabenkollektor für die Wärmepumpe haben Caro und Damian selbst verlegt.
Fertighaus.de: Wie hat sich das körperlich angefühlt?
Caro: Wir haben von sechs Uhr morgens bis 20, manchmal 21 Uhr durchgemauert. Nachts hatten wir Krämpfe in den Fingern, die waren geschwollen und zum Teil taub. Ich komme aus der Fitnessbranche und hatte trotzdem den Muskelkater meines Lebens. Wo wir die Kraft hergenommen haben, weiß ich nicht. Heute würde das wohl nicht mehr gehen.
Einmal bekam ich ein Foto geschickt: eine Dämmmatte auf dem Boden des Gästebads. Dazu die Nachricht, Damian sei gerade durch die Decke gefallen. Er konnte sich noch am Dachbalken festhalten. Oben ist ja alles offen. Man muss auf der Baustelle wirklich aufpassen.
Mai 2019: Das Dach haben Caro und Damian mit Unterstützung aus der Familie selbst gedeckt.
Wo die Eigenleistung endet: Gewährleistung, Putz und eine Dusche in Brusthöhe
Fertighaus.de: Ihr habt vom Grabenkollektor über Mauern und Dachdecken bis zu Fliesen und Pflaster sehr viel selbst gemacht. Wo lag die Grenze zur Fachfirma?
Damian: Bei der Gewährleistung. Wenn eine Fußbodenheizung undicht ist, muss womöglich der ganze Estrich wieder auf. Viele Bekannte haben Fußbodenheizung, Heizung und Sanitär selbst gemacht, aber wir wollten im Schadensfall jemanden haben, der dafür geradesteht. Elektrik ist sowieso ein Thema für sich. Die Planung habe ich gemacht, die Verkabelung sollte ein Meister übernehmen. Dachstuhl, Außenputz und Innenputz haben ebenfalls Firmen gemacht. Den Putz hätte ich mir vielleicht zugetraut, aber ich hätte wahrscheinlich fünfmal so lange gebraucht wie die Profis in ein, zwei Wochen.
| Gewerk | Ausgeführt von | Kosten (ca.) |
|---|---|---|
| Material, Fenster mit Haustür, Dachstuhl | Bausatz (Baustein Bausatzhaus MV) | 91.000 € |
| Erdarbeiten, Fundament, Abwasser, Bodenplatte | Eigenleistung | – |
| Grabenkollektor (ca. 2 m tief) | Eigenleistung | – |
| Mauerwerk inkl. Garage | Eigenleistung (erste Steinlage mit zwei Maurern) | – |
| Dachdeckung | Eigenleistung, mit Unterstützung eines Dachdeckers aus der Familie | – |
| Heizung, Sanitär, Lüftungsanlage | Fachfirma | 38.000 € |
| Elektroinstallation | Planung und Material: Eigenleistung, Ausführung: Fachbetrieb | 5.000 € (Ausführung) |
| Estrich | Fachfirma | 3.500 € |
| Innen- und Außenputz (Q2) | Fachfirma | 20.000 € |
| Feinputz auf Q3/Q4, Wände schleifen | Eigenleistung | – |
| Trockenbau, Tapezier- und Malerarbeiten | Eigenleistung | – |
| Fliesen (komplett) | Eigenleistung | – |
| Biologische Kleinkläranlage | Fachfirma | 3.000–4.000 € |
| Pflaster, Garten, Außenanlagen | Eigenleistung (nach Einzug) | – |
August 2019: Schleifen in voller Schutzmontur – Spachteln und Schleifen haben Caro und Damian ab Q3 komplett selbst übernommen.
Fertighaus.de: Mit dem Innenputz wart ihr dann aber nicht zufrieden.
Caro: Im Wohnzimmer hatte eine Türlaibung eine Beule wie eine Banane. Ich habe eine Wasserwaage angelegt und konnte einen Holzstock dazwischen schieben. Den Chef der Firma habe ich angerufen, und er kam mit dem Wort Toleranz. Ich habe gesagt: Ich bin zwar eine Frau, aber ich weiß, was eine technische Toleranz ist. Das hier ist weder eine technische noch meine persönliche. Kommen Sie bitte vorbei, dann zeige ich Ihnen, wo meine Toleranz liegt. Er kam – und wurde immer mürrischer, je mehr Kreuze er an die Wand machen musste. Die Laibung zwischen Ankleide und Schlafzimmer war so schief, dass ich den Putzer gefragt habe, ob ich das als abstrakte Kunst behalten soll. Er hat es am Wochenende korrigiert. Den Außenputz hat der Chef dann persönlich mitgemacht.
Oft war ich allein auf der Baustelle, und als Frau wird man angeguckt nach dem Motto: Mädchen, du hast doch keine Ahnung. Man muss sich durchsetzen. Wenn wir selbst etwas schief machen, kann ich niemanden zur Rechenschaft ziehen. Aber eine Firma, die sich Handwerk nennt, sollte auch danach arbeiten.
Fertighaus.de: Gab es noch mehr solcher Fälle?
Caro: Der Sanitärmonteur war ungefähr zwei Meter groß und hat die Duscharmatur auf seine Höhe gesetzt – mir hätte sie bis zur Brust gereicht. Eine Dusche war schon fertig, die andere musste er wieder aufmachen. Man muss alles vorher genau absprechen.
Duschen nach Maß: Armaturhöhen sollte man vorher genau mit dem Monteur absprechen.
Fertighaus.de: Was würdet ihr heute nicht mehr selbst machen?
Caro: Den Trockenbau für die Decke.
Damian: Und was wir wirklich bereut haben: Die Schläuche für die Lüftungsanlage wurden über das Mauerwerk geführt, über den Ringanker. Dann mussten wir die Dampfbremsfolie, Lattung und Steinwolle so einbauen, dass die Folie keine Risse bekommt, und die Rohre irgendwie wieder befestigen. Eine Schweinearbeit. Unser Tipp für alle: eine Steinlage mehr mauern und die Schläuche oben durch die Steine führen. Das wäre so viel einfacher gewesen. Den Feinputz haben wir übrigens selbst gemacht: Rollputz, nach YouTube-Recherche ausgesucht, danach alles geschliffen.
Die Lüftungsrohre unter der Decke – eine Steinlage mehr hätte hier viel Arbeit gespart.
Einzug am 1. Oktober: Schlafen am Kamin, Duschen bei Mama
Fertighaus.de: Ihr seid eingezogen, als das Haus noch halb Rohbau war. Wie lebt man in einer Baustelle?
Damian: Etwa zwei Monate vor Einzug rief der Heizungsbauer an: Es gibt ein neues Modell eurer Wärmepumpe, wollt ihr das? Uns wurde versichert, dass alles pünktlich kommt. Es kam natürlich nach dem Einzug, etwa drei Wochen später.
Caro: Wir hatten weder Heizung noch warmes Wasser. Wir haben im Schlafzimmer geschlafen und noch nie so geklappert. Dann haben wir den Schornsteinfeger angerufen, damit er den Kamin abnimmt, und haben unter mehreren Decken auf der Gästecouch vor dem Kamin gelegen. Der Kamin hat uns gerettet. Wir hatten ja weder Heizung noch warmes Wasser. Draußen stand noch das Dixi-Klo, überall war Estrich, wir haben es uns mit Kerzen schön gemacht. Zum Duschen sind wir jeden Tag nach Rostock zu meiner Mutter gefahren. Mit Kind wäre das so nicht möglich gewesen: ein halbes Jahr bauen und dann einziehen.
Mitte Oktober 2019 war die Wärmepumpe da – der Hauswirtschaftsraum wurde als Erstes gefliest.
Damian: Als Erstes haben wir den Hauswirtschaftsraum mit der Entkalkungsanlage gefliest, dann das Gäste-WC. Der Rest kam Stück für Stück, rund vier bis fünf Monate lang.
Oktober 2019, gut eine Woche nach Einzug: Ohne Heizung war der Kamin die einzige Wärmequelle.
Bungalow, Walmdach, Kamin: Wie das Haus heute funktioniert
Fertighaus.de: Warum ein Walmdach?
Damian: Spezielle Gründe gab es nicht. Es ergab sich aus der Form des Hauses und aus den Gesprächen mit unserem Bauleiter. Der wohnt selbst in einem Bungalow, den durften wir uns ansehen. Von ihm kam auch der Tipp mit den Dachüberständen. Ich meine, wir haben 60 oder 80 Zentimeter. Damit bleibt das Mauerwerk bei normalem Regen fast immer trocken.
Der Dachboden während der Bauzeit: rund 28 Quadratmeter Reserve unter dem Walmdach.
Fertighaus.de: Wie oft brennt der Kamin heute? Und wie verträgt er sich mit Fußbodenheizung und Lüftungsanlage?
Damian: Den nutzen wir nur für die Gemütlichkeit, nicht zum Heizen. Im Haus haben wir meistens um die 22 Grad. Wenn wir im Schnee unterwegs waren oder es draußen richtig kalt ist, brennt er abends mal zwei bis vier Stunden. Einen ganzen Tag läuft er bei uns nie.
Caro: Wichtig mit Lüftungsanlage: Man braucht einen Unterdruckwächter, der ist vorgeschrieben und wird auch vom Schornsteinfeger geprüft. Die Einrichtung überwacht den Druckunterschied, damit keine Rauchgase in den Wohnraum gesaugt werden. Unsere Downdraft-Haube in der Küche läuft deshalb auf Umluft, nicht auf Abluft, weil Kamin und Lüftung im selben Raum sind.
Der Dreiseitenkamin heute – im Alltag vor allem für gemütliche Abende im Einsatz.
Fertighaus.de: Und das Wohnen auf einer Ebene, sieben Jahre und ein Kind später?
Caro: Unser Sohn hat die Bauzeit ja gar nicht miterlebt. Wir sagen ihm immer: Du hättest so einen Spaß gehabt mit den ganzen Baggern. Im Flur hängen Bilder aus der Bauzeit. Das ist einfach cool, wenn man sagen kann: Das haben wir selbst gebaut.
PV nach sieben Jahren: Warum erst jetzt?
Fertighaus.de: Seit September habt ihr eine PV-Anlage mit Speicher. Warum kam sie erst nach sieben Jahren?
Damian: Weil unsere Stromkosten auch ohne PV niedrig waren. Mit der Wärmepumpe läuft Heizung und Warmwasser über Strom, und wir lagen für das ganze Haus bei etwa 110 bis 120 Euro im Monat. Gegen den Preis einer PV-Anlage gerechnet hatte ich immer gesagt: Brauchen wir nicht. Dann kam der Gedanke an ein E-Auto dazu, die Spritpreise, die Diskussion um das Ende der Förderung, ein Nachbar mit neuer PV-Anlage, ein Freund mit ähnlichen Plänen. Irgendwann wurde es immer sinniger. Von der Zusage bis zum Aufbau hat es dann nur drei Wochen gedauert.
September 2026: Die PV-Anlage kommt aufs Dach – sieben Jahre nach dem Einzug.
Fertighaus.de: Und die ersten Erfahrungen?
Damian: Man fragt sich, warum man es nicht früher gemacht hat. Man sieht jetzt genau, was reinkommt und was man verbraucht. Wenn ich sehe, was wir an Sonnenenergie nutzen können, hätten wir das viel früher machen müssen. In den ersten Wochen seit der Inbetriebnahme lagen wir bei über 90 Prozent Autarkie, eher bei 95 bis 98 Prozent, trotz schlechter Tage – dank Speicher und weil unser Tagesverbrauch gering ist.
Das Bundeskabinett hat am 29. Juli 2026 den Entwurf für ein EEG 2027 beschlossen. Demnach entfällt die feste Einspeisevergütung für neue Photovoltaikanlagen. Kleine Anlagen erhalten nur noch eine befristete Übergangszahlung, danach gilt die Direktvermarktung. Wer seine Anlage bis Ende 2026 in Betrieb nimmt, soll die bisherige Vergütung für 20 Jahre erhalten. Das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen.
Die Bilanz: Was gehalten hat und was es gespart hat
Fertighaus.de: Geht in Gedanken durchs Haus: Wo sieht man, dass Laien am Werk waren?
Damian: Klar gibt es Ecken, wo ich sage, da hätte ich schöner oder konzentrierter arbeiten können. Ein paar Stellen an der Badewanne, die man zum Glück nicht direkt sieht, oder der Anschluss an die Dachbodentreppe im Flur. Je nach Licht stört mich das immer mal. Aber nichts, wofür eine Fachkraft hätte kommen müssen.
Caro: Wir haben uns viele Häuser bei Bekannten angesehen, die Fachfirmen gebaut haben, und dort auch viele Dellen in den Wänden gesehen. Am Ende haben wir oft sauberer gearbeitet als eine Firma, die nicht ihr eigenes Haus baut. Wenn du weißt, die Wand ist schief gemauert, ärgerst du dich jeden Tag. Also machst du es nicht.
Fertighaus.de: Gab es in sieben Jahren Schäden an euren Eigenleistungen?
Caro: Einen einzigen. Ganz am Anfang war im Schlafzimmer an der Decke ein dunkler Punkt in der Ecke. Nachgestrichen, ein paar Tage später war er wieder da. Da kommt erst mal Panik: Schimmel, alles wieder abbauen. Damian ist auf den Dachboden und hat nachgesehen: Da fehlte einfach ein Stück Dämmung, es war eine Kälteecke. Dämmung ergänzt, desinfiziert, nachgestrichen – seitdem nie wieder.
Bildunterschrift: April 2019 auf der eigenen Bodenplatte – allein hier sparten die beiden rund 20.000 Euro.
Fertighaus.de: Was hat euch die Eigenleistung unterm Strich gebracht?
Damian: Wir hatten nach Fertigstellung über unsere Finanziererin eine Immobilienbewertung machen lassen, die lag bei rund 550.000 Euro. Finanziert haben wir rund 300.000 Euro, Grundstück inklusive. Außenanlagen und Pflaster kamen danach noch dazu. Ich würde sagen, durch die Eigenleistung haben wir 50.000 bis 100.000 Euro gespart. Allein die Bodenplatte hat uns gegenüber einer Vergabe rund 20.000 Euro gespart.
Caro: Wir hätten uns dieses Haus, so wie es hier steht, gar nicht leisten können, wenn wir es hätten bauen lassen. Kamin, Garage, Lüftungsanlage, Entkalkung – das wäre mit normalen Jobs nicht drin gewesen. Heute schon gar nicht mehr. Jemand aus unserer Familie wollte vor zwei Jahren ein Haus kaufen und wäre wegen der Zinsen bei rund 2.000 Euro Monatsrate gelandet. Jetzt zahlt er 1.200 Euro Miete, weil die Rate mit Nebenkosten fast ein ganzes Gehalt gewesen wäre. Für unser Grundstück würden wir heute schätzungsweise das Dreifache zahlen.
| Posten | Betrag (ca.) |
|---|---|
| Bausatz (Material, Fenster mit Haustür, Dachstuhl) | 91.000 € |
| Fachfirmen (Heizung/Sanitär/Lüftung, Putz, Elektro-Ausführung, Estrich, Kleinkläranlage) | rund 70.000 € |
| Gesamtkosten inkl. Grundstück (Finanzierungssumme) | 300.000 € |
| Außenanlagen | zusätzlich, nach Einzug in Eigenleistung |
| Immobilienbewertung nach Fertigstellung | 550.000 € |
| Geschätzte Ersparnis durch Eigenleistung | 50.000–100.000 € |
| davon allein Bodenplatte | 20.000 € |
| Arbeitszeit Eigenleistung | nie gezählt: März bis Oktober 2019 fast täglich, davon 6 Wochen Urlaub mit 7 Tagen à 12–14 Stunden, danach 4–5 Monate Restausbau |
Fertighaus.de: Ihr seid offenbar auch hartnäckige Verhandler.
Caro: Ich bin Herzblut-Vertrieblerin. In der Küchenausstellung waren wir bestimmt zehnmal, mit einem fast identischen Vergleichsangebot eines polnischen Küchenherstellers als Druckmittel. Irgendwann musste der Abteilungsleiter kommen. Als der sagte: Wir wollen unsere Küchen ja auch verkaufen – da wusste ich: Da geht noch was. Statt rund 29.000 Euro haben wir etwa die Hälfte gezahlt, plus Topfset und Gutscheine. Als der Geschirrspüler zwei Monate zu spät kam, gab es auf Nachfrage noch 750 Euro Warengutschein. Insgesamt hatten wir rund 1.100 Euro an Gutscheinen. Die haben wir dann bei einer 40-Prozent-Aktion eingelöst und davon das halbe Haus eingerichtet – von Vorhangstangen und Vorhängen über Töpfe bis zum Sessel. Unterm Strich rund 14.000 Euro gespart.
Mehr als ein Nein kann nicht kommen. Mir hat mal jemand auf einer Reise gesagt: Wenn der Verkäufer dir lächelnd die Ware einpackt, hat er dich über den Tisch gezogen. Das gilt auch für Baufirmen, die wollen auch Geschäfte machen. Nicht bis aufs Blut, aber fair für beide Seiten.
Badmöbel und Fliesen stammen aus polnischen Baumärkten, gefliest haben Caro und Damian selbst.
Fertighaus.de: Was würdet ihr heute anders machen?
Damian: Unterputzarmaturen. Das war damals schon im Gespräch, aber noch nicht so verbreitet. Vielleicht gehen wir das an, wenn irgendwann neu gefliest wird.
Caro: Wir waren uns bei allem einig und haben uns nie gestritten. Ich habe zusätzlich immer geguckt: Kann man das gut putzen? Unsere Fußleisten sind zum Beispiel bündig mit der Wand, weil ich Fußleisten abzustauben hasse. Jeder träumt vom großen Haus, aber dass das hinterher auch Arbeit ist, sieht man im ersten Moment nicht.
Für wen ein massives Bausatzhaus passt
Fertighaus.de: Für wen ist ein Bausatzhaus wie eures das Richtige – und wem würdet ihr abraten?
Damian: Abraten würde ich Leuten, die von vornherein sagen: Wir trauen uns nichts zu, wir haben zwei linke Hände. Die ziehen sich irgendwann weinend zurück. Ansonsten passt es fast für jeden, der eine gute Anleitung und einen guten Bauleiter hat, so wie wir. Wir hatten auch viel Glück: Wir waren im Zeitplan, außer der Heizung hat sich nichts verzögert, und das Wetter hat über Wochen mitgespielt.
Caro: Wer bereit ist zu vergleichen, Tipps anzunehmen und sich etwas zuzutrauen, schafft das. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich mal ein Haus bauen kann. Hätte mir das jemand vor ein paar Jahren erzählt, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt. Aber man braucht etwas, das einem Sicherheit gibt. Viele haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen: Beim Bauen gehen Beziehungen auseinander, und dann wollt ihr auch noch so viel selbst machen! Bei uns gab es den Heiratsantrag zum Richtfest. Haus, Hochzeit, Kind – zack, zack, zack.
Damian: Nehmt euch Zeit zum Planen. Viele haben schnell unterschrieben und merken nach ein paar Jahren, dass einiges nicht passt – bis hin zur Zahl der Steckdosen. Wenn man bauen lässt, kostet jede zusätzliche Steckdose extra, bei Bekannten waren das 80 bis 100 Euro pro Stück. Beim Selbstbau setzt man sich einfach noch eine in die Türlaibung, zum Beispiel für die Weihnachtsbeleuchtung.
Caro: Und man ist flexibel. In der Ankleide war ursprünglich ein kleines Fenster geplant. Beim Mauern haben wir gemerkt: Sieht blöd aus, wenn sonst alles bodentief ist. Also haben wir die Säge genommen, durchgebrochen und unseren Bauleiter angerufen: Mach da bitte eine Terrassentür draus. Wer in seiner Planung flexibel sein will, dem raten wir absolut zum Bausatzhaus.
Frühjahr 2023: Aus dem Acker von 2019 ist ein Garten geworden.
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Caros und Damians Bericht ist einer der wenigen Erfahrungsberichte, die massive Eigenleistung nicht von der Baustelle aus beschreiben, sondern nach sieben Jahren Wohnen. Die Bilanz fällt bemerkenswert nüchtern aus: ein einziger Mangel durch ein fehlendes Stück Dämmung, ein paar Stellen, die nur den Bauleuten selbst auffallen – und eine Ersparnis, die das Paar auf 50.000 bis 100.000 Euro schätzt. Diese Zahl ist eine eigene Einschätzung und keine Kalkulation. Sie zeigt aber die Größenordnung, um die es beim Bausatzhaus geht.
Ebenso lehrreich ist, was nicht im Bauplan stand: Ein Jahr Kampf um das Grundstück und eine Ablehnung wegen einer minimalen Überschreitung der Grundflächenzahl haben das Projekt fast scheitern lassen – und rückblickend die Planung verbessert, weil das Paar die Zeit für Vergleiche, Besuche und Tipps aus dem Netzwerk auf Instagram genutzt hat. Wer heute baut, kann das ohne Wartejahr übernehmen: lange planen, viele Angebote pro Gewerk einholen und die Eigenleistungsgrenze dort ziehen, wo die Gewährleistung wichtiger ist als die Ersparnis.
Einschränkend gilt: Caro und Damian haben ohne Kind gebaut. Wer ein Bausatzhaus mit kleinen Kindern plant, sollte deutlich mehr Zeit einrechnen.
Wer die Bauzeit von Caro und Damian im Detail nachverfolgen möchte, findet auf ihrem Instagram-Account @traumhaus_bungalow das komplette Bautagebuch – vom Grundstück über die Osterwochen am Mauerwerk bis zur neuen PV-Anlage.
Caros und Damians 7 Lektionen für das massive Bausatzhaus
- Erst durchrechnen, dann planen: Lasst euch vor der Grundstückssuche berechnen, was ihr euch wirklich leisten könnt. Das nimmt in der Bauzeit die ständige Verarmungsangst.
- Wartezeit als Planungszeit nutzen: Besucht andere Bauherr:innen, holt euch Tipps aus der Community und hinterfragt jede Entscheidung. Wir haben in dieser Zeit Raumgrößen, Bad und Küche komplett neu geplant.
- Eigenleistung dort beenden, wo die Gewährleistung zählt: Fußbodenheizung, Sanitär und Elektrik an Fachfirmen geben – wenn dort etwas schiefgeht, wird es teuer.
- Lüftungsschläuche mitdenken: Eine Steinlage mehr mauern und die Schläuche durch die Steine führen, statt sie über den Ringanker zu legen. Das erspart viel Arbeit bei Dämmung und Folie unter der Decke.
- Handwerksleistungen abnehmen und reklamieren: Mit Wasserwaage prüfen und Mängel direkt melden. Auch als Laie darf man ein sauberes Ergebnis einfordern.
- Alles verhandeln: Mit einem Vergleichsangebot als Druckmittel haben wir unsere Küche für rund die Hälfte bekommen. Mehr als ein Nein kann nicht kommen.
- Was später teuer wird, gleich mitbauen: Garage, Kamin, KNX-Kabel und Steckdosen sind im Selbstbau günstig – nachgerüstet kosten sie ein Vielfaches oder kommen nie.
Häufige Fragen zum massiven Bausatzhaus und Bungalow