Claudias und Lasses Fullwood-Erfahrung: „Wir sind keine Handwerker – und haben trotzdem fast alles selbst gebaut”
Claudia steht allein auf dem Rollgerüst, in acht Metern Höhe, die Hände voller Holzwolle. Es ist Winter, es ist klirrend kalt, und der einzige Lichtpunkt in der Baustelle kommt von einer einzelnen Bauleuchte. Ihr Mann Lasse ist auf Dienstreise, die Kinder sind in der Kita. Und Claudia dämmt. Seit Wochen. Komplett auf sich gestellt.
Was wie eine absolute Ausnahme-Herausforderung klingt, ist für Claudia und Lasse der Normalzustand ihres Hausbaus geworden. Das Paar aus Dassendorf bei Hamburg hat sich für ein Fullwood Wohnblockhaus in Mischbauweise entschieden: außen massive Polarkiefer, innen Holzständerwerk mit Rigips und Putz. Kein sichtbares Holz in den Innenräumen – aber das Raumklima und die Konstruktion eines Blockhauses. Und fast alles davon haben die beiden selbst gebaut. Nicht, weil sie es unbedingt wollten. Sondern weil es anders nicht bezahlbar gewesen wäre.
In diesem Interview erzählen Claudia und Lasse, warum fünf Jahre Planung fast im Nichts endeten, wie ein zufälliger Instagram-Fund alles veränderte, was Mischbauweise im Fall ihres Blockhauses konkret bedeutet – und warum Eigenleistung als Laie gleichzeitig das Frustrierendste und das Bereicherndste ist, was man als Paar erleben kann – ein Paar, das nebenbei auch noch geheiratet hat, während das Haus im Rohbau stand.
Baufamilie Claudia & Lasse (+ 2 Kinder)
Standort Dassendorf, Schleswig-Holstein (Region Hamburg)
Haustyp Individuelles Einfamilienhaus mit Pultdach
Bauweise Mischbauweise: Blockbohlen (Polarkiefer) außen, Holzständerwerk innen
Anbieter Fullwood Wohnblockhaus
Wohnfläche ca. 160 m²
Grundstück ca. 1.000 m² am Waldrand (Bestandshaus abgerissen)
Deckenhöhe bis ca. 8 m (durch Pultdach und Höhenversatz)
Besonderheiten Höhenversatz aus bestehendem Keller, offene Badewanne im Schlafzimmer geplant, Kletterwand im Kinderzimmer (7,90 m)
Innenausbau Rigips / Putz – kein sichtbares Holz innen
Dämmung Holzwolle (Innenwände), Holzfaserdämmung (Dach durch Fachfirma)
Bausatzpreis Fullwood ca. 220.000 € (Hülle, Material, Richtmeistermontage)
Gesamtkosten (geschätzt) ca. 600.000 € (inkl. Eigenleistung, Material, alle Gewerke)
Bauphase Innenausbau (Verputzen, Fliesen – Einzug in Planung)
Fünf Jahre Suche – Vom Standardhaus zum Fullwood-Bausatz
Fertighaus.de: Fünf Jahre Planung, bevor der erste Spatenstich kam. Wie kam das?
Claudia: Es fing damit an, dass wir ein Grundstück mit einem Bestandshaus aus den 1980ern angeboten bekommen haben – von Lasses Mutter. Das bekommt man nicht so oft. Aber wir waren zu dem Zeitpunkt noch gar nicht beim Thema Hausbau. Wir hatten noch keine Kinder, haben in Hannover gelebt. Dann haben wir angefangen, uns umzuschauen. Fertighäuser von den großen Anbietern, Kataloge bestellt, Musterhäuser besucht. Aber alles war Standard. Standardgrundrisse, Standardoptik. Und immer das Gefühl: Das ist nicht unseres.
Dann haben wir einen Architekten engagiert. Das war unter Zeitdruck, weil unser Sohn in die Kita kam und wir von Hannover in die Nähe von Hamburg ziehen wollten. Der Architekt hat einen Grundriss geliefert, der auf dem Papier fertig aussah – aber voller Probleme steckte. 30 Quadratmeter Flur, die Dusche unter der Dachschräge, in der man nicht stehen konnte, die Badewanne im Schlafzimmer hat er nicht hinbekommen. Basics, eigentlich. Wir haben es trotzdem durchgewunken, weil wir schnell fertig werden wollten. Dann sind die Kosten explodiert, Corona kam dazu, und wir haben abgebrochen.
Danach war ich an einem Punkt, an dem ich gesagt habe: Wenn wir nur so ein Standardhaus bekommen, das trotzdem richtig teuer ist – dann will ich gar kein Haus.
Claudias und Lasses Fullwood-Blockhaus von der Gartenseite: Polarkiefer, Pultdach und die nachträglich eingebauten Velux-Fenster, die aus einem dunklen Rohbau einen lichtdurchfluteten Wohnraum gemacht haben.
Fertighaus.de: Und dann kam Instagram ins Spiel?
Claudia: Ich habe zufällig ein Haus auf Instagram gefunden. Pultdach, ganz individuell, wunderschön eingerichtet. Normalerweise schreibe ich keine fremden Leute an. Aber ich dachte: Was habe ich zu verlieren? Ich habe ihr geschrieben und gesagt, ich finde euer Haus großartig, könnt ihr uns erzählen, wie ihr das gemacht habt? Und sie hat geantwortet: Ich mache das nebenberuflich, ich plane Grundrisse. Wenn ihr wollt, komme ich zu euch. Sie wohnte eine halbe Stunde entfernt. Da dachten wir: Das ist Schicksal.
Sie hat sich unsere Situation angeschaut – das alte 50-Quadratmeter-Haus auf dem Grundstück, den bestehenden Keller, unsere Wunschliste – und einen Grundriss gemacht, bei dem wir beide sofort gesagt haben: Perfekt. Genau das. Aber dann ging wieder das Handwerker-Karussell los: Maurer gefunden, aber keinen Zimmermann. Zimmermann gefunden, aber keinen Maurer. Die Preise waren irre.
Lasse hat dann irgendwo einen Blockhaus-Anbieter aus Österreich gesehen, und von da ging es zu Fullwood. Und die haben einfach gesagt: Gebt uns euren Grundriss. Wir bauen das. Wir bauen auch auf euren bestehenden Keller. Individuelle Fenster – kein Problem. Badewanne im Schlafzimmer – kein Problem. Zum ersten Mal war unsere Wunschliste nicht das Problem, sondern der Ausgangspunkt.
Fünf Jahre Planung, ein abgebrochener Entwurf vom Architekten und eine unerwartete Entdeckung auf Instagram: Claudia vor dem Haus, das es beinahe nie gegeben hätte.
Mischbauweise: „Außen Blockhaus, innen machen wir, was wir wollen”
Fertighaus.de: Euer Blockhaus sieht von innen nicht nach Blockhaus aus. Warum diese Entscheidung?
Claudia: Bei Fullwood gibt es die Mischbauweise: Außen hast du die massive Blockwand aus Polarkiefer. Die Außenwand wird innen mit einer Holzständerkonstruktion ergänzt, die wir mit Holzwolle gedämmt und beidseitig beplankt haben. Darauf kommt Rigips, dann Putz. Die Trennwände im Haus sind ebenfalls Holzständerwerk. Von innen sieht das aus wie jeder andere moderne Neubau.
Mischbauweise in einem Bild: Vorne das Holzständerwerk für die Innenwände, hinten die massiven Blockbohlen der Außenhülle. Beides zusammen ergibt die Konstruktion, die Claudia und Lasse überzeugt hat.
Lasse: Für uns war das eine bewusste Entscheidung. Wir wollten das Raumklima und den Geruch eines Holzhauses, aber nicht in einer Almhütte wohnen. Und die Mischbauweise hat noch einen praktischen Vorteil, den viele unterschätzen: Wir haben überall eine Installationsebene hinter dem Rigips. Das heißt, wir können auch in zehn oder zwanzig Jahren noch Steckdosen nachrüsten oder ein Netzwerkkabel ziehen, ohne in eine massive Holzwand fräsen zu müssen. Bei einem Vollblockhaus geht das nicht.
Fertighaus.de: Wie reagieren Besucher, wenn sie erfahren, dass sie in einem Blockhaus stehen?
Claudia: Die Nachbarn sitzen im Sommer mit offenen Fenstern in ihren Häusern, weil sie unser Haus riechen wollen – Lasse dachte zuerst, das sei ironisch gemeint. Aber die meinten das ernst: „Holzduft, den ganzen Sommer.” Von innen merkt man es nicht sofort. Die Wände sind weiß, der Boden wird fugenloser Mikrozement. Aber wenn du weißt, dass hinter jeder Wand massives Kiefernholz steckt und du im Sommer ohne Klimaanlage ein angenehmes Raumklima hast – dann verstehst du den Unterschied.
Fullwood Wohnblockhaus baut Blockhäuser nach einem im Markt ungewöhnlichen Fertigungsprinzip: Die Wände aus nordischer Kiefer werden im Werk als komplette Elemente vorgefertigt und per Kran auf der Baustelle montiert. Durch die werkseitige Trocknung und die formstabil sowie fugenlos verpressten Wandelemente sind Blockhäuser von Fullwood nach Herstellerangaben setzungsfrei; anders als klassische Blockhäuser, bei denen sich die Wände im ersten Jahr um mehrere Zentimeter setzen und Fenster, Türen und Installationen mit Rutschleisten versehen werden müssen.
Fullwood bietet mehrere Varianten beim Wandaufbau an. Der Standard ist die einschalige Vollholzwand mit 20 cm Wandstärke (dreifach verleimt; 27 cm in der Premiumversion) und sichtbarem Kiefernholz im Innenraum. Viele Baufamilien wählen alternativ die mehrschalige Kombiblockwand mit Kerndämmung, die bessere Dämmwerte erreicht und im Innenbereich flexiblere Wandgestaltungen ermöglicht, etwa Akustikpaneele, Putz- oder Gipskartonwände, Tapeten oder Wandfarben. Ihr Aufbau von außen nach innen: massive kerngetrennte Holzbalken als Außenwand (9 cm), tragendes Holzständerwerk (12 cm) mit integrierter Dämmung und Dampfbremse, Installationsebene (4 cm, kann auch noch gedämmt werden), Innenschale (2 cm Holzhalbbohlen und/oder alternative Wandverkleidungen). Diese Kombiblockwand ist die Grundlage der Mischbauweise, die Claudia und Lasse gewählt haben. Unabhängig von der Konstruktion der Außenwand besteht bei Fullwood für die raumtrennenden Innenwände die Option auf Leichtbauweise (Holzständerbau) oder massive Blockinnenwände aus durchgehenden Holzbohlen.
Claudias und Lasses Entscheidung, innen komplett auf Rigips und Putz zu setzen und auf sichtbares Holz zu verzichten, ist daher eine individuelle Gestaltungsentscheidung, keine technische Konsequenz der Bauweise bei Fullwood.
So ist die Kombiblockwand aufgebaut, für die Claudia und Lasse sich entschieden haben. Die Gesamtstärke beträgt 27 cm von der massiven Kiefern-Außenwand bis zur Rigips-Innenschale. Grafik KI-generiert mit ChatGPT.
Pultdach, 8 Meter hohe Wände und ein Höhenversatz aus dem alten Haus
Fertighaus.de: Euer Grundriss ist alles andere als Standard – Pultdach, ein Höhenversatz mitten im Haus, Deckenhöhen bis acht Meter. Wie kam es dazu?
Claudia: Das alte Haus auf dem Grundstück hatte einen Wintergarten, der 50 Zentimeter tiefer lag als der Rest. Wenn du da reingegangen bist, hatte das etwas ganz Besonderes – dieses Gefühl, in einen anderen Bereich abzutauchen. Das wollten wir behalten. Und wir wollten das Pultdach haben. Dadurch entstand die extreme Raumhöhe, weil du bei einem Pultdach einen bestimmten Neigungswinkel brauchst, und wenn das Ganze dann noch auf dem 50-Zentimeter-Versatz sitzt, bist du schnell bei acht Metern Wandhöhe. Der Konstrukteur von Fullwood hat das millimetergenau auf die alte und die neue Bodenplatte abgestimmt – das war wirklich beeindruckend.
Was uns niemand gesagt hat: Wie sich acht Meter Wand anfühlen, wenn du davor stehst. Wir hatten nie eine 3D-Visualisierung vom Raumgefühl. Als die Wände dann standen, haben wir gedacht: Wow. Und dann: Oh. Weil dir in dem Moment klar wird, dass du diese Wand dämmen, beplanken und verputzen musst – auf einem Rollgerüst, acht Meter hoch.
Der Blick durch den Rohbau zeigt die Dimensionen, die sich auf keiner Zeichnung vermitteln: das ansteigende Pultdach, der Höhenversatz aus dem alten Keller und die Wandhöhen, die Claudia monatelang auf dem Rollgerüst dämmen würde.
Fertighaus.de: Ihr habt während der Bauphase noch Änderungen am Haus vorgenommen. Was war die wichtigste?
Lasse: Die Veluxfenster. Als der Rohbau stand und das Dach drauf war, sind wir reingegangen und waren geschockt: Es war dunkel. Wir haben riesige Fenster, aber bei der Dachhöhe reicht das einfach nicht. Ich war traurig wie noch nie während der ganzen Bauphase. Aber dann hat der Richtmeister schlicht gesagt: Veluxfenster. Hier reinsetzen. Eine Woche später hatten wir Dachfenster mit elektrischer Verdunkelung – und wir sind die glücklichsten Menschen auf dieser Welt damit.
Dann haben wir über der Küche noch ein rundes Fenster für das Morgenlicht einbauen lassen – das war auch eine spontane Idee. Und im Kinderzimmer haben wir die OSB-Stärke auf 25 Millimeter erhöht, damit unser Sohn eine Kletterwand bekommt, die bis auf 7,90 Meter geht. Das sind Sachen, die bei einem Kataloghaus mit festem Grundriss so nicht möglich gewesen wären.
Links das runde Fenster, das spontan während der Bauphase dazukam. Die Wände sind gespachtelt und warten auf den letzten Anstrich.
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Jetzt Angebote anfordernEigenleistung aus Notwendigkeit: „Es war uns vorher nicht bewusst”
Fertighaus.de: Ihr habt fast den gesamten Innenausbau selbst gemacht – ohne handwerkliche Vorkenntnisse. War das von Anfang an der Plan?
Claudia: Nein. Überhaupt nicht. Als wir zu Fullwood gefahren sind, habe ich ganz klar gesagt: Ich werde das nicht ohne einen Bauleiter machen. Wir sind keine Handwerker. Wir können das nicht. Der Vertrieb hat uns das Bausatz-Modell erklärt, aber ehrlich gesagt haben wir nicht ganz verstanden, wie viel wir wirklich selbst machen müssen. Fullwood bietet dir an, Trupps dazuzubuchen – Dach, Dämmung, alles. Aber das kostet eben auch.
Der Moment, in dem klar wurde, dass wir fast alles selbst machen würden, kam erst nach der Finanzierung. Wir hatten 350.000 Euro aufgenommen und ein Budget von 20.000 Euro für den Innenausbau eingeplant – also für die Arbeit, nicht das Material. Das klang realistisch, wurde uns so empfohlen. Dann haben wir Fachleute für die Dachdämmung engagiert, weil Überkopf-Dämmen bei unserer Deckenhöhe wirklich nicht machbar war. Ergebnis: Die 20.000 Euro waren aufgebraucht, bevor die auch nur das Dach fertig hatten. Da haben wir gemerkt: Wir machen alles selbst. Nicht als Hobby-Projekt, sondern weil die Alternative gewesen wäre, das Haus nicht fertigzubekommen.
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Lasse kontrolliert die Ausrichtung der vorgefertigten Wandelemente. Die Bauteile aus Blockbohlen kommen vorproduziert aus dem Werk und werden per Baukran präzise auf das Fundament gesetzt.
Fertighaus.de: Was habt ihr daraufhin konkret selbst gemacht?
Claudia: Alles, was kein Fachgewerk erfordert. Wir haben gedämmt – monatelang. Die Fassade dreimal von Hand gestrichen. Das Dach gedeckt. Innenwände beplankt. Fenster mit eingebaut und abgedichtet. Rigips verschraubt. Die Dämmung unter der Fußbodenheizung verlegt. Und was man unterschätzt: Die ganze Organisation drumherum. Straßensperrung, Kran besorgen, Baugenehmigung – das haben alles wir gemacht.
Lasse: Profis hatten wir für die Bodenplatte, den Estrich, Elektrik, Sanitär mit Fußbodenheizung und jetzt für das Verputzen. Beim Verputzen haben wir gelernt: 600 Quadratmeter Wandfläche in drei Arbeitsgängen – das sind 1.800 Quadratmeter. Das macht ein Profi einfach schneller und besser. Was bei all dem passiert: Man lernt sein Haus auf eine Art kennen, die kein schlüsselfertiger Bauherr je haben wird.
Claudia: Früher wüssten wir zum Beispiel nicht, was eine Klimamembran ist, was die macht. Bis jemand, der uns geholfen hat, eine Rigipsschraube ein bisschen zu weit reingeschraubt und unsere Klimamembran durchbohrt hat. Da standen wir da und haben gedacht: Nein! Unsere gesamte Decke ist einmal durchgebohrt worden.
Lasse: Seitdem wissen wir, was hinter jeder Wand steckt, jede Folie, jede Schicht, jede Leitung. Es ist irgendwie ein schönes Gefühl. Wenn du in ein fertiges Haus einziehst, weißt du nicht, was gemacht wurde. Wir waren bei jedem Gewerk vor Ort, haben jeden Schritt begleitet.
Was Laien auf der Baustelle lernen – und warum Pausen genauso wichtig sind wie Fortschritt
Fertighaus.de: Der Richtmeister war drei Wochen bei euch, dann wart ihr allein. Wie fühlt sich das an?
Lasse: Innerhalb von zwei Tagen wurden die kompletten Wandelemente angeliefert und aufgesteckt – vorproduziert im Werk, per Kran reingehoben, millimetergenau auf die alte und die neue Bodenplatte gesetzt, inklusive Höhenversatz. Das war beeindruckend. Dann kam der Richtmeister, und der hat sich verhalten, als würde er selbst dort einziehen: Hier machen wir noch ein Dachfenster, hier ein weiteres Fenster für mehr Licht am Vormittag. Die Dachdeckschulung hat zehn Minuten gedauert. Er hat die ersten Ziegel gelegt, uns die Reihe markiert und gesagt: So, jetzt ihr.
Der Wohnbereich nimmt Form an: Rigips an den Wänden, Fenster im Dach, der Estrich ist drin. Die roten Rohre im Boden gehören zur Fußbodenheizung, einer der wenigen Posten, die Profis übernommen haben.
Claudia: Als er dann weg war, standen wir da und dachten: Oh Gott. Aber der Bauleiter von Fullwood war anrufbar, kam regelmäßig vorbei und hat bei Problemen geholfen. Und dann hat man sich YouTube-Tutorials angeschaut, am nächsten Tag umgesetzt, und irgendwann hat es einfach funktioniert.
Lasse: Und wenn wir wirklich unsicher waren, hatten wir neben dem Bauleiter noch eine zweite Instanz: ChatGPT, unseren „allwissenden Bauleiter". Wenn der echte Bauleiter am Telefon gesagt hat, etwas bestimmtes ist kein Problem, haben wir das nochmal gegengeprüft. Und dann denkt man: Okay, zwei Bestätigungen, so schlimm ist das gar nicht. Klingt absurd, hat uns aber tatsächlich oft beruhigt und weitergebracht.
Claudia: Es gab aber auch Phasen, in denen einer von uns einfach eine Stunde lang Kaffee getrunken hat, statt weiterzuarbeiten. Und das ist auch okay. Man steht in diesem riesigen Haus, allein, und hat das Gefühl: Ich schaffe nichts. Da muss man sich bewusst Pausen nehmen – als Familie ein Wochenende komplett raus. Jeder nimmt ein Kind, und dann startet man mit neuer Energie.
Fertighaus.de: Claudia, du hast im Vorfeld beschrieben, dass eine Frau mit Werkzeug in der Hand auf der Baustelle immer noch teils verwunderte Blicke erntet.
Claudia: Da kam ein Elektromeister rein, ich stand allein im Haus und habe gedämmt. Der guckt mich an und sagt: „Eine Frau mit Werkzeug – wo ist denn Ihr Mann?” Ich stehe vor ihm, bin die Bauherrin, und die erste Frage ist, wo mein Mann ist. Das ist dieses Klischee, das mich wahnsinnig macht. Er hat dann später gesagt, er findet das eigentlich cool. Aber warum muss man überhaupt darüber reden? Warum ist es nicht einfach normal?
Lasse: Was mich stolz gemacht hat: Mittlerweile kennen die Gewerke das. Wenn Claudia auf die Baustelle kommt, fragen die: „Und, gefällt es dir?” Weil sie wissen, dass sie mitentscheidet, mitbaut und auch mal sagt: Das haben wir anders besprochen. Wir nutzen das manchmal sogar strategisch – wer wann welche Frage stellt und nachhakt.
Fertighaus.de: Eure Kinder wachsen auf dieser Baustelle auf. Was macht das mit einer Familie?
Lasse: Unser Sohn hat einen eigenen Bauhelm. Wenn wir die Kreissäge anmachen, setzt er sich seine Kopfhörer auf. Er kann selber sägen, er hat mit mir zusammen Sachen gebaut. Was mich wirklich erstaunt und auch stolz gemacht hat: Beim Richtfest hat er seinen Freunden eine komplette Hausführung gegeben, obwohl er noch so klein ist, durch jeden Raum, erklärt, was wo hinkommt.
Claudia: In der Kita war der erste Kommentar zu unserer Tochter: Man merkt, dass sie auf einer Baustelle groß wird. Weil sie sehr selbstbewusst und agil ist, zum Beispiel Leitern hochklettern kann. Was wir lernen mussten: Man kann nicht bauen, wenn man allein mit den Kindern vor Ort ist. Das funktioniert nicht. Man denkt am Anfang: Die spielen ja, ich mache schnell noch was. Aber wenn sie klein sind, kann immer nur einer arbeiten. Und wenn sie krank sind, und Kita-Kinder sind ständig krank, baut niemand. Manchmal ist das frustrierend. Aber wir wissen, wofür wir das machen.
Was kostet ein Fullwood-Blockhaus? Die ehrliche Rechnung
Fertighaus.de: Ihr habt euch ein Schlüsselfertig-Angebot geben lassen. Was wäre das gewesen?
Claudia: Wir haben unseren Grundriss einem anderen Holzhausanbieter gegeben und gesagt: Was kostet das, wenn wir es schlüsselfertig bekommen? Das waren um die 800.000 Euro – nur für das Haus, ohne Grundstück. Da haben wir gesagt: Das ist für zwei normal verdienende Menschen nicht realistisch.
Der Fullwood-Bausatz – also die Hülle, das Holz, das Dach, Fenster und Türen – lag bei ungefähr 220.000 Euro. Dazu kommen alle Gewerke, Material, und eben unsere Eigenleistung. Insgesamt landen wir bei geschätzt 600.000 Euro.
Fertighaus.de: Wie habt ihr die Handwerkerkosten im Griff behalten?
Lasse: Wir haben bewusst auf regionale Firmen gesetzt, also wirklich nah, im Umkreis von ein paar Kilometern. Die Logik dahinter: Wenn die Gewerke auf einer anderen Baustelle früher fertig sind, können sie am Feierabend noch drei Stunden bei uns vorbeikommen oder mal einen ganzen Tag, wo eine Lücke ist. Sie müssen nicht eine Stunde hin und eine Stunde zurück. Dadurch haben wir attraktive Preise gekriegt.
Und wenn die Handwerker dann da waren, haben wir mitgeholfen. Nicht um zu kontrollieren, sondern um den Ablauf zu beschleunigen. Gerüst umbauen, Material holen, Wasser anschließen. Man macht mal Kaffee, aber man fährt nicht weg und hat nur das Essen hingestellt. So kriegt man das kostengünstiger, weil man den einfach hilft, und so kriegt man auch die Qualität hin, die man sich wünscht. Dadurch waren wir bei jedem Gewerk vor Ort und konnten Probleme lösen, bevor sie überhaupt entstanden sind, nicht erst hinterher.
Baufails und Bauchgefühl: Drei Fehler, die wir nicht vergessen
Fertighaus.de: Auf eurem Instagram-Kanal gibt es eine Rubrik zu Baufehlern. Die drei größten?
Claudia (lacht): Die drei größten Baufails waren:
- Das Auto hinter der Bodenplatte: Lasse macht Rallye-Motorsport, und sein Auto stand im alten Carport. Dann ging alles ganz schnell: Der Tiefbauer für die Bodenplatte sagte, ich fange jetzt an. Wir dachten, drei Meter Platz reichen locker, um das Auto später rauszufahren. Reichte nicht. Ein Meter zu wenig. Das Auto steckte monatelang fest. Im Sommer haben wir es dann selbst rausgezogen – mit unserem Bulli, einem Seil und durch den Garten. Wir lachen darüber, weil auf wen sollte man sauer sein?
- Die Sitzbank unter der Aufputzarmatur: Ich wollte eine Sitzbank in der Dusche, dazu eine Unterputzarmatur – so wie in einem schönen Hotelzimmer. Der Installateur hat mich aber überzeugt, dass Aufputz günstiger, wartungsfreundlicher und einfacher ist. Ich habe mich überreden lassen. Was wir beide nicht bedacht haben: Die Aufputzarmatur sitzt jetzt genau über der Sitzbank. Man kann sich nicht hinsetzen, ohne gegen den Hahn zu stoßen. Es ist uns erst beim Fliesentermin aufgefallen. Wir haben alles durchgerechnet, was es kosten würde, das umzubauen – Leitung verlegen, Nische neu schneiden, Duschrinne umsetzen. Es war es uns nicht wert. Die Sitzbank wird es so nicht geben.
- Der Sichtestrich, der keiner wurde: Ich wollte in der Küche Sichtestrich – den Estrich abschleifen, versiegeln, fugenloser Boden. Der Estrich-Verleger hat das für einen Bruchteil des üblichen Preises angeboten. Das hätte mich stutzig machen müssen. Er hat den Estrich nicht sauber geschliffen, es waren Tannennadeln drin, es sah furchtbar aus. Jetzt machen wir stattdessen einen Mikrozementboden – wir haben eine Firma gefunden, die uns eine Schulung gibt, und dann machen wir das selbst.
Meine wichtigste Lehre aus allen drei: Hör auf dein Bauchgefühl. Wenn dir ein Handwerker etwas ausredet, das du wirklich willst – denk zweimal nach, bevor du nachgibst.
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Kataloge kostenlos bestellen„Ich hätte Lust, noch mal ein Haus zu bauen” – Fazit und Empfehlung
Fertighaus.de: Was würdet ihr anders machen, wenn ihr noch mal von vorne anfangen könntet?
Lasse: Ich würde an der Wandhöhe sparen. Diese acht Meter Raumhöhe – so beeindruckend sie sind – haben uns mehr Geld, Zeit und Kraft gekostet als alles andere. Jedes Gewerk wird teurer, jedes Material wird mehr, jede Stunde auf dem Rollgerüst dauert dreimal so lang. Und ich würde mehr Fenster einbauen. Das ist überraschend günstig und macht bei so hohen Wänden einen enormen Unterschied beim Lichteinfall.
Claudia: Aber sonst? Ich würde wieder Fullwood nehmen, ich würde wieder die Mischbauweise wählen. Ich habe zwischendurch sogar überlegt, ob ich Dachdeckerin werden möchte, weil ich das so großartig fand. Ich arbeite normalerweise am PC, mache Webseiten. Aber händisch etwas zu schaffen, das ist ein Ausgleich, den ich vorher nicht kannte. Und jetzt sage ich ganz ehrlich: Ich hätte Lust, noch mal ein Haus zu bauen. Ich bin noch nicht mal fertig mit diesem, aber mit dem Wissen, das wir jetzt haben, würde vieles so viel leichter gehen. Man geht zu den Handwerkern hin und sagt: So will ich das haben. Weil man inzwischen jedes einzelne Bauteil seines Hauses kennt.
Fast fertig: Die Wände sind gespachtelt, die Balken bleiben als einziges Holzelement sichtbar. Durch die bodentiefe Terrassentür fällt der Blick in den Garten am Waldrand: genau dafür haben Claudia und Lasse fünf Jahre lang geplant.
Fertighaus.de: Was sagst du jemandem, der auch ein Blockhaus bauen möchte, aber kein Handwerker ist?
Claudia: Dass es geht. Unser Nachbar hat es bewiesen – der hat auch mit Fullwood gebaut, denselben Anbieter, aber alles bezugsfertig machen lassen. Nach einem halben Jahr ist er eingezogen. Man muss nur ehrlich reflektieren, was man sich zutraut und wo Eigenleistung wirklich spart. Wir haben gelernt, dass Zeit mit kleinen Kindern der versteckte Kostenfaktor ist. Wenn dein Kind zwei Wochen krank ist, baust du zwei Wochen nicht. Das rechnet sich niemand vorher aus.
Aber was wir mitnehmen: Wir kennen jede Wand, jede Leitung, jede Dämmschicht in unserem Haus. Wenn du in ein komplett vom Anbieter gebautes Massiv- oder Fertighaus einziehst, weißt du nicht, was hinter den Wänden passiert ist. Wir waren bei jedem Gewerk vor Ort, haben mitgeholfen, nachgefragt, kontrolliert. Das ist ein Gefühl, das man nicht kaufen kann.
Redaktionelle Einordnung
Claudias und Lasses Bauprojekt zeigt einen Weg zum Eigenheim, der in der Hausbau-Berichterstattung selten so ehrlich festgehalten wird: Zwei Berufstätige ohne handwerkliche Ausbildung, die durch eine Mischung aus Zufall, Entschlossenheit und finanzieller Notwendigkeit zu Bauherrin und Bauherr wurden, die fast ihr gesamtes Haus selbst gebaut haben.
Ihr Erfahrungsbericht ergänzt die Perspektive eines Blockhausbaus um eine wichtige Dimension: Claudia und Lasse protokollieren die Langstrecke zu zweit, mit Kindern, mit nur drei weiteren Helfenden beim Rohbau nach zwei Jahren Probewohnen in der über 40 Jahre alten Bestandsimmobilie, getrieben von der Erkenntnis, dass schlüsselfertige Übergabe für ihr individuelles Eigenheim nicht bezahlbar ist.
Besonders bemerkenswert ist die Mischbauweise ihres Fullwood Wohnblockhauses, die im Blockhaussegment eine Nische besetzt: Wer das Raumklima und die Konstruktion eines Blockhauses möchte, aber die intensive Ästhetik nicht – und zusätzlich die Flexibilität einer Installationsebene für spätere Nachrüstungen –, findet hier eine konkrete Alternative zum Vollblockhaus.
Wer Claudias und Lasses Bauverlauf weiter verfolgen möchte, findet auf ihrem Instagram-Account @modern_fullwood_family regelmäßige Updates zum Innenausbau – inklusive der Baufails, die mittlerweile ein eigenes Highlight haben.
Claudias und Lasses 6 Tipps für Baufamilien, die Eigenleistung planen
- Lasst euch nicht ausreden, was ihr wirklich wollt – Handwerker wollen oft die einfachste Lösung. Das ist nicht immer die beste. Wenn ihr beispielsweise eine Unterputzarmatur wollt, nehmt eine Unterputzarmatur. Wenn euer Bauchgefühl sagt, der Preis ist zu gut – hört darauf.
- Rechnet die Deckenhöhe in alles ein – Hohe Räume sehen großartig aus, aber jeder Zentimeter über 2,50 m kostet überproportional mehr: Material, Gerüst, Arbeitszeit, Handwerkerkosten. Wir hätten den Höhenversatz im Nachhinein reduziert.
- Eigenleistung mit Kindern realistisch planen – Wenn Kinder krank sind, baut niemand. Wenn nur ein Elternteil vor Ort ist, kann der andere nicht arbeiten. Unsere Eigenleistung hat ein Dreiviertel-Jahr länger gedauert als geplant – hauptsächlich wegen der Kinder.
- Gewerke-Angebote vor der Finanzierung einholen – Wir haben den Kredit aufgenommen, bevor wir Elektrik- und Sanitär-Angebote hatten. Das Budget hat vorne und hinten nicht gereicht. Heute würden wir erst die konkreten Angebote einholen und dann finanzieren.
- Berechnet bei jedem Gewerk einen realistischen Volumenfaktor – Bei Standardhöhe braucht man X Meter Kabel, Y Quadratmeter Dämmung. Bei acht Metern Deckenhöhe ist das ein Vielfaches. Lasst das vorher berechnen – nicht schätzen.
- Nehmt euch bewusst Pausen – Jedes Wochenende auf der Baustelle zu verbringen ist zu viel. Wir haben gelernt: Wenn man im Haus steht und sich verloren fühlt, ist es Zeit für eine Pause. Jeder nimmt ein Kind, und man macht etwas anderes. Montag geht es mit neuer Energie weiter.
Häufige Fragen zum Blockhaus in Mischbauweise