
Wie viel Grundstück braucht man für ein Haus?

Mancher Traum von den eigenen vier Wänden besteht immer noch aus einem freistehenden Einfamilienhaus mit großem Garten drumherum. In der Wirklichkeit fallen Grundstücke jedoch oft nicht riesig aus, vor allem dann wenn sie sich in Neubaugebieten befinden. Doch wie viel Grundstück braucht man überhaupt für ein Haus? Darauf soll im Folgenden eine Antwort gegeben werden.

Wie sieht ein typisches Grundstück heute aus?
Die Grundstücksgrößen sind im Zeitablauf geschrumpft. Früher waren Kommunen bei der Ausweisung von neuem Bauland relativ großzügig. Heute werden nur noch in begrenztem Umfang neue Bauflächen geschaffen. Das gilt insbesondere für Großstädte und städtische Ballungsgebiete. Hier kann es etwas schwierig werden, freie Baugrundstücke zu finden.
Grundstücke wurden kleiner
Viele Gemeinden gehen angesichts der starken Nachfrage und des knappen Angebots bei Bauland zu dichterer Bebauung über. Waren ehedem Grundstücksgrößen von 800 bis 1000 Quadratmeter. üblich, sind es heute zumeist 400 bis 600 Quadratmeter. Dabei gibt es nach wie vor einen erheblichen Stadt-Land-Unterschied. Auf dem Lande hat man tendenziell mehr Raum zum bauen und leben.
Grundstücke wurden teurer
Die Grundstücksknappheit zeigt sich auch in den Preisen. Kostete der Quadratmeter Bauland in der Bundesrepublik um die Jahrtausendwende noch gut 53 Euro, waren es 2018 schon rund 205 Euro und im Jahr 2021 lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei 244 Euro. Stand 2026 liegt der Durchschnittspreis allerdings eher weniger stark steigend bei etwa 284 Euro für baureifes Wohnbauland (Quelle: Statistisches Bundesamt).
Dabei gibt es eine große Bandbreite - in Abhängigkeit vom Standort, der Größe und dem Umfeld. In begehrten Städten wie Berlin, Hamburg oder München mit besonders knappem Grundstücksangebot liegen die Durchschnittswerte für Grundstücksflächen zwischen 700 und 1.000 Euro pro Quadratmeter. Teilweise muss man sogar noch mehr zahlen. Für viele Bauherren ist daher weitestgehende Beschränkung beim Grundstück angesagt. Dass das Grundstück möglichst erschlossen und für Wohnbebauung vorgesehen sein sollte, gehört zu den Mindestanforderungen.
Was ist bei der Grundstücksbebauung zu beachten?
Als Bauherr ist man bei der Bebauung seines Grundstücks nicht komplett frei. Es sind Regeln zu beachten. Sie sind in erster Linie in Bauordnungen der Bundesländer und Bebauungsplänen der Gemeinden zu finden. Bauordnungen sind primär im Hinblick auf einzuhaltende Mindestabstände zu Nachbargrundstücken relevant. Noch wichtiger sind die Bebauungspläne der Gemeinden, weil sie detaillierte Vorgaben zu Art und Umfang der Bebauung enthalten. Daher ist es wichtig, dass Sie bereits vor dem Grundstückskauf prüfen, was und was nicht auf dem Baugrund erlaubt ist.
Wenn kein Bebauungsplan existiert, greift § 34 Baugesetzbuch. Danach muss sich ein Bau u.a. nach "der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll," in seine Umgebung einfügen. Es darf daher nicht zu exorbitanten Abweichungen zu Nachbar-Bebauungen kommen.
Die Bauordnungen der Länder regeln die einzuhaltenden (Mindest-)Abstandsflächen bei Bebauungen. Die Vorgaben unterscheiden sich je nach Bundesland geringfügig. Dabei spielen die Gebäudehöhe, die Dachhöhe und -neigung sowie der Gebäudestandort innerhalb einer Gemeinde eine Rolle. Der Mindestabstand liegt meist bei 2,5 bis 3 Metern. Vorstehende Gebäudeteile wie Balkone, Erker oder Gauben bleiben unberücksichtigt. Durch Bebauungspläne der Kommunen können Abstandsvorgaben einer Bauordnung durchbrochen werden.
Im Bebauungsplan wird die mögliche Bebauung noch konkreter festgelegt. Die folgenden Kennzahlen haben dabei eine wichtige Bedeutung:
- Grundflächenzahl: Sie gibt an, mit welchem Anteil das Grundstück überbaut werden darf. Bei einer Grundflächenzahl von 0,4 darf zum Beispiel eine Überbauung von 40 Prozent stattfinden. Dieser Wert ist in vielen Bebauungsplänen üblich.
- Geschossflächenzahl: Sie zeigt das maximal möglich Verhältnis der addierten Geschossflächen aller Vollgeschosse eines Bauwerks zur Grundstücksfläche an. In der Regel wird die Geschossflächenzahl eher bei Mehrfamilienhäusern zur Restriktion führen, als bei Einfamilienhäusern.
Generell lässt sich aus den rechtlichen Vorgaben ableiten: Grundfläche und Geschosse eines geplanten Hauses beeinflussen die benötigte Grundstücksgröße. Darüber hinaus enthalten Bebauungspläne noch viele weitere Vorgaben, die ggf. auf die Wahl des Grundstücks Auswirkungen haben.
Grundstücksgrößen für unterschiedliche Haustypen
Bei der benötigten Grundstücksgröße kommt es auf den geplanten Haustyp und die Gebäudenutzung an. Ein freistehendes Einfamilienhaus benötigt eine größere Fläche als ein Reihenhaus. Im Folgenden geben wir Ihnen ein paar Beispielrechnungen als Orientierungswerte.
Um schnell den groben Grundstücksbedarf für Ihr Haus zu ermitteln, nehmen Sie die bebaute Fläche (Grundfläche plus Stellplatzfläche) und multiplizieren diese mal zwei, um die Gartenfläche zu bestimmen. Anschließend addieren Sie diese mit der bebauten Fläche und erhalten die Mindestgröße für Ihr Grundstück.
Formel: Bebaute Fläche + (Bebaute Fläche x 2) = Grundstücksfläche
Wie viel Grundstück braucht man für ein Einfamilienhaus?
Ein gängiges freistehendes Einfamilienhaus hat eine typische Wohnfläche von rund 150 Quadratmeter. Wenn sich diese auf ein Erdgeschoss und ein ausgebautes Dachgeschoss verteilt, wird eine Grundfläche von rund 100 Quadratmeter für den Bau benötigt.
Viele Kommunen schreiben bei freistehenden Einfamilienhäusern mindestens zwei Autostellplätze vor. Rechnet man diese und auch noch zwei Garagen hinzu, kommt man auf eine benötigte Grundfläche von 180 Quadratmeter.
Häufig wird das Doppelte der bebauten Fläche als Gartenfläche eingeplant. Das sind in diesem Fall 360 Quadratmeter. Damit lässt sich dann auch eine Grundstücksbebauung von maximal 40 Prozent sowie die Wahrung von Mindestabständen von zum Beispiel 3 Metern gut darstellen. Insgesamt ergibt sich so eine Grundstücksmindestgröße von 540 qm.
150 m² Wohnfläche
100 m² Grundfläche
+ 80 m² Stellfläche
360 m² Gartenfläche
= 540 m² Grundstück
| Wohnfläche | 80 m² | 100 m² | 120 m² | 150 m² | 180 m² |
|---|---|---|---|---|---|
| Grundfläche | 40 m² | 50 m² | 70 m² | 100 m² | 100 m² |
| Stellfläche | 40 m² | 80 m² | 80 m² | 80 m² | 80 m² |
| Gartenfläche | 160 m² | 260 m² | 300 m² | 360 m² | 360 m² |
| Grundstücksfläche | 240 m² | 390 m² | 450 m² | 540 m² | 540 m² |
Wie viel Grundstück braucht man für einen Bungalow?
Beim Bungalow ist der Grundstücksbedarf tendenziell größer, da nicht in die Höhe gebaut wird und die Wohnfläche der Grundfläche entspricht. Mit den Zahlen des vorhergehenden Beispiels würde dann eine Grundfläche von 150 Quadratmeter benötigt. Zuzüglich 80 Quadratmeter für Garagen und Stellplätze ergibt eine Grundfläche von 230 Quadratmeter. Eine doppelte Gartenfläche hinzugerechnet, würde das in diesem Fall ein (Mindest-)Grundstücksbedarf von 690 Quadratmetern bedeuten.
150 m² Wohnfläche
150 m² Grundfläche
+ 80 m² Stellfläche
460 m² Gartenfläche
= 690 m² Grundstück
Wie viel Grundstück braucht man für ein Doppelhaus?
Bei Doppelhaushälften entfällt die Abstandswahrung zu (mindestens) einer Seite. Bei Reihenhäusern kann sie auf beiden Seiten entallen, solange es sich nicht um ein Reihenendhaus handelt. Dadurch sinkt der Flächenbedarf für das Grundstück. Außerdem werden solche Häuser meist stärker in die Höhe gebaut, wodurch sich der Grundflächenbedarf verringert.
Eine typische Doppelhaushälfte besteht aus einem Erdgeschoss, einem vollen ersten Geschoss und aus einem ausgebauten Dachgeschoss. Dafür reicht bereits eine Grundfläche von 60 Quadratmetern. Mit einem Stellplatz und einer Garage dazu kommt man auf etwa 100 Quadratmeter. Die doppelte Gartenfläche hinzugerechnet würden sich so insgesamt 300 Quadratmeter Mindestgröße für das Grundstück ergeben. Folglich bräuchte man für das gesamte Doppelhaus ein rund 600 Quadratmeter großes Grundstück.
150 m² Wohnfläche
60 m² Grundfläche
+ 40 m² Stellfläche
200 m² Gartenfläche
= 300 m² Grundstück
Diese Beispiele können nur eine ungefähre Vorstellung geben. Wie das Grundstück konkret aussehen muss, hängt natürlich von Ihrem persönlichen Bauvorhaben ab. Dadurch können sich auch ganz andere Grundstücksgrößen ergeben. Nicht jeder ist zum Beispiel leidenschaftlicher Gärtner und braucht einen großen Garten.
6 Möglichtkeiten das passende Grundstück zu finden
Wenn Sie wissen, wie Ihr Grundstück aussehen sollte, geht es darum, passenden Grund und Boden zu finden. Das ist nicht selten die größere Herausforderung. Ganz allgemein gibt es die folgenden Mittel zur Grundstückssuche:
- Recherche in Immobilien- und Grundstücksportale im Internet
- Recherche in Tageszeitungen oder in Anzeigenblättern
- Erkundigung bei Kommunen oder Kirchengemeinden
- Erkundigung beim Amtsgericht nach Zwangsversteigerungen
- Beauftragung eines Maklers
- Selbstständige Erkundungstour


















































































